Die Steuerrechnung in Bitcoin begleichen – das klingt nach Crypto-Valley-Folklore, ist aber an zwei Orten der Schweiz Alltag: im Kanton Zug und in der Stadt Lugano. Beide arbeiten mit demselben Zahlungsdienstleister, Bitcoin Suisse, und beide erhalten am Ende Franken. Das Steueramt hält also nie Krypto; es bekommt einfach einen Tag später sein Geld. Anderswo ist der Weg länger, und bei manchen frühen Pionieren ist schlicht unklar, ob das Angebot noch existiert.
Mit dem Rechner oben sehen Sie, wie viel Bitcoin einem bestimmten Frankenbetrag entspricht. Für eine Zahlung zählt aber der Kurs im Moment, in dem der QR-Code erzeugt wird.
Wo Sie in der Schweiz Steuern mit Krypto bezahlen können
Bestätigt sind zwei Angebote. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:
| Kanton Zug | Stadt Lugano | |
|---|---|---|
| Coins | BTC, ETH | BTC (auch Lightning), USDT auf Ethereum |
| Rechnungen | Kantons-, Gemeinde- und Bundessteuer, Erbschaft, Schenkung, Quellensteuer | Alle Rechnungen der Stadt, inkl. Steuern, Gebühren, Bussen |
| Höchstbetrag | CHF 1,5 Mio. pro Rechnung | Keiner; ab CHF 1,5 Mio. Sonderablauf |
| Gebühr | 1 % (Bitcoin Suisse) | 1 %, im Kurs enthalten (Bitcoin Suisse) |
| Teilzahlung | ||
| Zu viel bezahlt | Guthaben für künftige Steuern | Rückzahlung nur in CHF |
| Seit | Februar 2021 | Dezember 2023 (alle Rechnungen) |
In beiden Fällen gilt die Zahlung mit Datum, an dem eine Zahlung dem Empfänger gutgeschrieben wird. T+1 heisst: einen Tag nach Ihrer Krypto-Überweisung. T+1 als eingegangen. Wer am letzten Tag einer Zahlungsfrist bezahlt, sollte das einrechnen.
Kanton Zug: so funktioniert die Zahlung
Seit Februar 2021 können natürliche und juristische Personen im Kanton Zug ihre Steuern mit Bitcoin oder Ether begleichen. Zuerst lag die Grenze bei CHF 100’000 pro Zahlung, im Frühling 2023 hob der Kanton sie auf CHF 1,5 Mio. pro Rechnung an. Laut Steuerverwaltung entspricht die Limite dem Risikorahmen von Bitcoin Suisse, die die Zahlungslösung betreibt.
Privatpersonen können damit die Kantons- und Gemeindesteuern auf Einkommen und Vermögen, die direkte Bundessteuer, Erbschafts- und Schenkungssteuern sowie die Quellensteuer zahlen. Für Firmen gilt das Gleiche für Gewinn- und Kapitalsteuer. Nicht möglich sind Steuern, welche die Gemeinden selbst fakturieren – etwa die Grundstückgewinnsteuer oder die Hundesteuer.
Sie brauchen kein Konto bei Bitcoin Suisse. Nötig sind ein Smartphone oder Tablet mit Kamera, eine App oder Gerät, in dem Sie Ihre Kryptowährungen selbst verwalten und von dem aus Sie Zahlungen senden. mit genügend BTC oder ETH und eine stabile Internetverbindung. Das Wechselkursrisiko trägt Bitcoin Suisse; der Kanton erhält nur Franken, mit Valuta T+1 auf sein Konto bei der Zuger Kantonalbank.
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Steuerrechnung abwarten
Die Rechnung kommt wie gewohnt per Post. Entscheiden Sie, ob Sie sie vollständig in Krypto zahlen wollen – aufteilen geht nicht.
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Zahlung anfragen
Über das sichere Kontaktformular der Steuerverwaltung mit dem Betreff «Kryptowährungen»: Name, Personennummer, betroffene Steuerforderung und Betrag in Franken angeben.
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Link öffnen und Coin wählen
Sie erhalten per E-Mail einen Link. Der Kanton empfiehlt, ihn nicht auf dem Gerät mit der Wallet zu öffnen. Wählen Sie BTC oder ETH – es erscheint ein QR-Code mit dem Betrag zum aktuellen Kurs.
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QR-Code scannen und prüfen
Scannen Sie den Code mit der Wallet und vergleichen Sie die Empfängeradresse in der App mit der angezeigten Adresse.
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Quittung anfordern und bestätigen
Geben Sie eine E-Mail-Adresse für die Quittung an und bestätigen Sie die Zahlung in der Wallet. Ein Restbetrag lässt sich durch erneutes Scannen begleichen.
Zahlen Sie zu viel, wird die Differenz als Guthaben für kommende Steuerperioden verbucht. Eine Rückzahlung in Krypto oder Franken ist nicht vorgesehen. Achten Sie deshalb auf die Gebühr, die Miner oder Validatoren für die Verarbeitung einer Transaktion erhalten. Sie zahlen sie zusätzlich zum Betrag.: Sie geht zu Ihren Lasten und darf den Rechnungsbetrag nicht schmälern.
Stadt Lugano: Rechnungen per QR-Code in Bitcoin oder USDT
Lugano geht einen anderen Weg. Seit Dezember 2023 lässt sich jede Rechnung der Stadt in Krypto bezahlen – Steuern natürlicher und juristischer Personen ebenso wie Gebühren und Bussen, auch ältere offene Rechnungen. Akzeptiert werden Bitcoin, Bitcoin über das Zahlungsnetz auf Bitcoin für schnelle, günstige Kleinzahlungen, die nicht einzeln in der Blockchain landen. und USDT auf Ethereum. Eine Betragslimite gibt es nicht; für Zahlungen über CHF 1’500’000 steht ein eigener Ablauf mit Absicherung des Wechselkurses bereit.
Der Ablauf ist schlank: Sie öffnen auf der offiziellen Seite der Stadt das Zahlungsformular, scannen den Code der Seit 2022 einheitlicher Schweizer Einzahlungsschein mit Swiss QR Code, der IBAN, Betrag und Referenz enthält. oder geben IBAN, Betrag und Referenznummer von Hand ein, wählen die Kryptowährung und zahlen. Die Stadt warnt ausdrücklich davor, Zahlungsseiten über Suchmaschinen aufzurufen – ein sinnvoller Hinweis, denn gefälschte Zahlungsseiten sind eine bekannte Masche.
Bitcoin Suisse verrechnet 1 % des Frankenbetrags, eingerechnet im Kurs. Pro Zahlung lässt sich nur eine Rechnung vollständig begleichen. Eine Quittung schickt Bitcoin Suisse auf Wunsch per E-Mail. Rückerstattungen gibt es nur in Franken, auf ein Konto auf den Namen der Rechnungsempfängerin oder des Rechnungsempfängers. Die Stadt hält selbst keine Kryptowährungen, die Beträge werden sofort in Franken umgewandelt.
Wichtig für Tessiner Steuerpflichtige: Das Angebot gilt für Rechnungen, welche die Stadt Lugano selbst stellt. Für Steuerrechnungen des Kantons Tessin haben wir keine Krypto-Option gefunden. Im Alltag akzeptieren in Lugano zudem Hunderte Geschäfte Bitcoin und USDT im Rahmen des Plan ₿ – Details auf unserer Seite zu Bitcoin in Lugano. Wo Sie USDT beziehen können, steht im Ratgeber USDT kaufen.
Zermatt, Chiasso und die Geschichte der Krypto-Steuer
Zug und Lugano waren nicht allein. Zwei frühe Angebote sind heute schlecht dokumentiert:
- 2016
Die Einwohnerkontrolle der Stadt Zug nimmt Bitcoin für Gebühren bis CHF 200 an – heute auch Ether.
- 2018
Chiasso akzeptiert einen Teil der Gemeindesteuern in Bitcoin, zuerst bis CHF 250, später laut Berichten bis CHF 1’000. Aktueller Stand nicht bestätigt.
- Januar 2020
Zermatt führt Bitcoin für Gemeindesteuern und Schaltergeschäfte ein, mit Terminal im Gemeindehaus und Abwicklung über Bitcoin Suisse. Aktueller Stand nicht bestätigt.
- Februar 2021
Der Kanton Zug nimmt Steuern in BTC und ETH an, zunächst bis CHF 100’000 pro Zahlung.
- März 2022
Lugano lanciert gemeinsam mit Tether den Plan ₿.
- Frühling 2023
Zug erhöht die Limite auf CHF 1,5 Mio. pro Steuerrechnung.
- Dezember 2023
Lugano öffnet alle städtischen Rechnungen, inklusive Steuern, für Zahlungen in BTC und USDT.
- 2024
Zug verzeichnet rund 120 Krypto-Steuerzahlungen über total CHF 3,3 Mio.
Zermatt führte im Januar 2020 Bitcoin als Zahlungsmittel für Gemeindesteuern und Schaltergeschäfte ein. Damalige Berichte nannten keine Limite für Steuern und CHF 150 für Verwaltungsgebühren. Neuere offizielle Angaben haben wir nicht gefunden. Chiasso war 2018 die zweite Gemeinde nach Zug; laut tio.ch kam in fünf Jahren eine einzige Zahlung zusammen. Bei beiden gilt: Fragen Sie vor einer Zahlung bei der Gemeinde nach, ob das Angebot noch besteht.
Wo es nicht geht
Ausser Zug bietet nach unserer Recherche kein Kanton eine offizielle Krypto-Zahlung für Steuern an; für Bern etwa fanden wir keinerlei Hinweise. Die direkte Bundessteuer lässt sich nur über Zug in Krypto bezahlen, weil die Kantone sie einziehen. Für Abgaben, die der Bund selbst erhebt – etwa Mehrwertsteuer oder Zölle – gibt es keinen Krypto-Weg.
Der Umweg funktioniert überall: Bitcoin über eine Schweizer Plattform verkaufen, Franken aufs Bankkonto überweisen lassen und die QR-Rechnung normal bezahlen. Die Kosten sind vergleichbar. Relai verlangt beim Verkauf 1,0 % plus einen kleinen Spread, bei Kraken Pro kostet ein Trade im tiefsten Volumen-Tier 0,40 % als Maker oder 0,80 % als Taker. Wie Sie Krypto sauber in Franken tauschen, erklärt der Ratgeber Krypto auszahlen in der Schweiz.
Steuerfolgen: Die Zahlung ist ein Verkauf
Wer mit Bitcoin Steuern bezahlt, veräussert seine Coins. Für Privatanleger hat das in der Regel keine Folgen: Kapitalgewinne aus dem Privatvermögen sind in der Schweiz steuerfrei (Art. 16 Abs. 3 DBG), Verluste sind umgekehrt nicht abziehbar. Ob Sie Ihre Bitcoin für CHF 5’000 oder CHF 50’000 gekauft haben, spielt für die Einkommenssteuer also keine Rolle.
Anders sieht es aus, wenn die Steuerbehörde Sie als gewerbsmässigen Händler einstuft. Die ESTV prüft das nach Kriterien wie Haltedauer, Transaktionsvolumen und Fremdfinanzierung. Dann ist der Gewinn steuerbares Einkommen, und auch Sozialversicherungsbeiträge können anfallen. Mehr dazu im Überblick zu Krypto-Steuern in der Schweiz.
Für die Vermögenssteuer zählt, was Sie am 31. Dezember besitzen. Bewahren Sie die Quittung von Bitcoin Suisse und die Transaktions-ID auf: Sie belegen, wann und zu welchem Wert die Coins Ihr Vermögen verlassen haben. Wie Sie Ihre Bestände korrekt angeben, zeigt der Ratgeber Krypto in der Steuererklärung.
Lohnt es sich? Vor- und Nachteile
Konkret gut
- Kein Umweg über Börse und Bankkonto: Die Coins gehen direkt aus Ihrer Wallet an den Zahlungsdienstleister
- Kursrisiko ab dem erzeugten QR-Code trägt Bitcoin Suisse
- Kein Konto bei Bitcoin Suisse nötig
- Valuta T+1, die Zahlung gilt am Folgetag als eingegangen
- Keine Rückfragen der Hausbank zur Herkunft eines grossen Krypto-Erlöses
Zu beachten
- 1 % Gebühr: bei CHF 10’000 Steuern sind das CHF 100, dazu die Netzwerkgebühr
- Nur ganze Rechnungen, keine Teilzahlungen
- Zug: Zu viel Bezahltes wird gutgeschrieben, nicht ausbezahlt
- Nur BTC und ETH (Zug) bzw. BTC und USDT auf Ethereum (Lugano)
- Nur in Zug und Lugano bestätigt
Unterm Strich lohnt sich die Krypto-Zahlung vor allem für Steuerpflichtige in Zug und Lugano, die ohnehin Bitcoin oder Ether halten und einen Teil davon verkaufen wollen. Wer Krypto erst kaufen müsste, um damit Steuern zu zahlen, zahlt doppelt Gebühren. Falls Sie noch keine Coins haben, finden Sie im Ratgeber Bitcoin kaufen in der Schweiz die passenden Anbieter; für Ether den Ratgeber Ethereum kaufen.
Sie wollen Bitcoin für spätere Zahlungen in der eigenen Wallet halten? Kaufen Sie bei einem Schweizer Anbieter und ziehen Sie die Coins auf Ihre Wallet ab.
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