Im November 2021 brach der Onlineshop der Post unter dem Ansturm zusammen. Der Grund: die erste Schweizer Krypto-Briefmarke, 175’000 Exemplare zu je CHF 8.90. Seither hat die Post zahlreiche weitere Ausgaben herausgebracht, die neueren gemeinsam mit der Liechtensteinischen Post. Auf Ricardo und eBay tauchen die Bögen regelmässig auf, mit Preisen zwischen Nennwert und Fantasiebetrag. Hier lesen Sie, was eine Crypto Stamp technisch ist, welche Ausgaben es gibt und wie Sie den Wert Ihres Exemplars selbst einschätzen.
Was ist eine Crypto Stamp?
Jede Crypto Stamp besteht aus zwei Teilen. Der erste ist eine gewöhnliche, frankaturgültige Briefmarke auf einem kleinen Bogen. Der zweite ist ein digitales Bild als Non-Fungible Token: ein digitales Objekt, dessen Besitz auf einer Blockchain eindeutig festgehalten ist. auf der Polygon-Blockchain, die ihre Blöcke in Ethereum verankert. Die Technik hat die Post mit der Firma Inacta aus dem Crypto Valley in Zug entwickelt.
Der Bogen funktioniert als Ein Wallet, dessen Zugangsdaten auf Papier gedruckt sind statt in einer App gespeichert.: Ein QR-Code zeigt, welches digitale Motiv Sie besitzen. Unter einem Rubbelfeld steht eine Eine Folge von 12 oder 24 Wörtern, die als Hauptschlüssel zu einem Wallet dient. Wer sie kennt, kontrolliert dessen Inhalt. aus zwölf Wörtern, mit der Sie das NFT in ein eigenes Wallet übertragen können. Technisch nutzt die Post den Standard ERC-1155: Alle Marken mit demselben Motiv teilen sich eine Token-ID. Ihre Marke ist also nicht ein Einzelstück, sondern eines von zum Beispiel 350 identischen Exemplaren des Motivs «Matterhorn mit Murmeltier».
Wichtig für Sammler: Die Crypto Stamps gehören nicht zum offiziellen Ausgabeprogramm der Post. Sie sind nicht im Briefmarken-Abonnement enthalten und können weder umgetauscht noch zurückgegeben werden.
Alle Ausgaben im Überblick
- Nov. 2021
Swiss Crypto Stamp 1.0: CHF 8.90, 175’000 Exemplare, auf der Marke Matterhorn und Mond, digital eines von 13 Bergmotiven. Ausverkauft.
- Aug. 2022
Crypto Stamp 2.0: zehn Motive zu je 25’000 Exemplaren für CHF 9. Die NFTs sind Videoclips junger Schweizer Filmschaffender, entstanden mit dem Locarno Film Festival.
- Mai 2023
Crypto Stamp 3.0: 14 Versionen mit KI-Bildern von den Digitaltagen 2022 – von CHF 9 (Walter, ohne NFT) bis CHF 999 (Aia, 50 Exemplare).
- April 2024
Crypto Stamp 4.0: Das Murmeltier Marmi reist durch die Schweiz. Basic Edition mit 24 Motiven zu je 7’500 Stück für CHF 9.90, dazu Special-, Wallpaper- und Unique-Edition.
- Dez. 2024
Crypto Stamp 5.0 mit Swiss-Ski: elf Schneesport-Legenden von Vreni Schneider bis Marco Odermatt; Basic 10’000 Stück pro Motiv, dazu Bronze, Silber, Gold und elf Unikate.
- Mai 2025
Crypto Stamp CHLI: erste Ausgabe mit Liechtenstein. Die linke Hälfte verkauft die Schweizer Post, die rechte die Liechtensteinische Post; sechs Farbeditionen.
- Nov. 2025
CHLI 2.0 mit Wintermotiv: sechs Farben von Green (3’500 Stück pro Land, CHF 9.90) bis Rainbow (50 Stück, CHF 499).
- Juni 2026
CHLI 3.0: erstmals eine einzige Marke, gültig in beiden Ländern. Wer das NFT umwandelt, entscheidet, ob die Kuh gerettet oder verbrannt wird.
Seit der Ausgabe 3.0 setzt sich der Preis aus Nennwert und einem Aufpreis für das NFT zusammen, der mit der Seltenheit steigt. Bei der CHLI 3.0 kostet jede Marke CHF 9.00 Porto plus CHF 0.90 (Green, 2’000 Stück pro Land) bis CHF 490 (Rainbow, 50 Stück pro Land). Pro Bestellung gelten Limiten: zehn Bögen Green, aber nur einer in Rainbow.
Wie selten ist Ihre Marke? Die Auflagen der Ausgabe 1.0
Bei der ersten Ausgabe sieht die Papiermarke bei allen 175’000 Exemplaren gleich aus. Welches der 13 digitalen Motive dazugehört, zeigt erst der Scan des QR-Codes. Danach richtet sich der Sammlerwert.
| Digitales Motiv | Token-ID | Auflage |
|---|---|---|
| Matterhorn | 1 | 65’000 |
| Dent Blanche | 2 | 45’000 |
| Piz Bernina | 3 | 30’000 |
| Säntis | 4 | 18’000 |
| Pilatus | 5 | 8’000 |
| Dufourspitze | 6 | 4’500 |
| Rigi | 7 | 2’500 |
| Eiger, Mönch und Jungfrau | 8 | 1’000 |
| Matterhorn mit Murmeltier | 9 | 350 |
| Piz Bernina mit Steinbock | 10 | 250 |
| Säntis mit Kuh | 11 | 200 |
| Rigi mit Steinadler | 12 | 150 |
| Pilatus mit Drache | 13 | 50 |
Bei den späteren Ausgaben ist die Seltenheit direkt am Preis oder an der Farbe ablesbar. Bei der 2.0 sind dagegen alle zehn Motive gleich häufig, dort spielen eher Vollständigkeit des Sets und Beliebtheit einzelner Filme eine Rolle.
So holen Sie das NFT in Ihr Wallet
Ein Wallet brauchen Sie nicht – das NFT liegt bereits auf dem Bogen. Wer es digital sammeln oder auf einem Marktplatz anbieten will, geht so vor:
-
QR-Code scannen
Mit der Handykamera den QR-Code auf dem Bogen scannen. Die Seite zeigt Motiv und Token-ID und ob das NFT noch auf dem Papier-Wallet liegt oder schon übertragen wurde.
-
Rubbelfeld nur bei Bedarf öffnen
Unter dem Silberfeld steht der Zugang zum Papier-Wallet. Bei CHLI 3.0 steckt die Wortfolge im selben Code und erscheint nach dem Scan. Wer nur sammelt, lässt das Feld unberührt.
-
Wallet einrichten
Die Post empfiehlt MetaMask, auf dem Handy den Browser in der MetaMask-App. Geeignet ist jedes Wallet, das Polygon unterstützt.
-
Etwas POL besorgen
Transaktionen auf Polygon kosten eine Gebühr in POL, früher MATIC genannt. Laut Post kostet eine Übertragung normalerweise weniger als einen Rappen.
-
NFT übertragen
Im Bereich «Wallet» auf crypto-stamp.post.ch die Wörter eingeben und das NFT an Ihre eigene Adresse senden. Ab dann ist der Papierbogen nur noch eine Briefmarke.
Für den Handel auf NFT-Marktplätzen rät die Post, das Papier-Wallet als zusätzliches Konto in die Wallet-App zu importieren, weil Plattformen wie OpenSea den ERC-1155-Standard für eigene Smart Contracts nicht vollständig unterstützen. Jede weitere Transaktion kostet wieder eine kleine Gebühr, die Sie dem Netzwerk für die Verarbeitung einer Transaktion bezahlen; auf Polygon in POL.. Wie Wallets grundsätzlich funktionieren, erklärt unser Ratgeber zu Krypto-Wallets.
Was ist eine Crypto Stamp wert?
Eine Preisliste veröffentlichen wir bewusst nicht. Angebote auf Ricardo und eBay schwanken stark, und Wunschpreise sind keine Verkaufspreise. Belegt ist ein einziger Rekord: Im Dezember 2021 bestätigte Ricardo der «SonntagsZeitung», dass ein Exemplar der 1.0 für CHF 37’500 versteigert wurde. Das war der Höhepunkt der NFT-Euphorie, kein Richtwert.
So schätzen Sie den aktuellen Wert selbst ein:
- Motiv bestimmen. QR-Code scannen und Token-ID notieren. Ohne Token-ID lässt sich eine 1.0 nicht bewerten.
- Abgeschlossene Verkäufe vergleichen. Bei eBay zeigt der Filter «Verkaufte Artikel», was tatsächlich bezahlt wurde. Auf Ricardo lohnt der Blick auf Gebote statt Sofortkaufpreise.
- NFT-Marktplätze prüfen. Auf OpenSea sind Polygon-Sammlungen mit letzten Verkäufen sichtbar. Vergleichen Sie die Vertragsadresse mit derjenigen, die die Post in ihren FAQ veröffentlicht – es kursieren Fälschungen.
- Zustand berücksichtigen. Unversehrter Bogen, ungeöffnetes Rubbelfeld und ein NFT, das noch auf dem Papier liegt, sind mehr wert als ein «leerer» Bogen, dessen NFT längst weitergereicht wurde.
- Sets und Raritäten. Vollständige Serien und Kleinstauflagen wie Rainbow-Editionen oder die Unikate der 4.0 und 5.0, die die Post über Ricardo für wohltätige Zwecke versteigerte, folgen eigenen Regeln.
Kaufen und verkaufen
Neue Ausgaben gibt es im Postshop und – zur Bestellung mit Lieferung nach Hause – an den Schaltern der Poststellen, solange Vorrat. Die Liechtensteiner Hälften beziehungsweise Editionen verkauft die Liechtensteinische Post über ihren eigenen Shop. Ausverkaufte Ausgaben finden Sie nur noch auf dem Zweitmarkt: Ricardo, eBay, Briefmarkenhändler und NFT-Marktplätze.
Wer verkauft, nennt im Inserat Ausgabe, Motiv und Token-ID, zeigt Fotos des Bogens und schreibt dazu, ob das Rubbelfeld unberührt ist und ob das NFT noch auf dem Papier liegt. Wird nur das NFT verkauft, überweist der Verkäufer es nach Zahlungseingang an die Adresse des Käufers. Steuerlich gilt für eine private Sammlung dasselbe wie für Krypto im Privatvermögen: Sie gehört grundsätzlich zum Vermögen, Gewinne aus gelegentlichen Verkäufen sind in der Regel steuerfrei. Die Grundsätze erklärt unser Ratgeber zu Krypto-Steuern.
Vorsicht bei der Suche nach «Crypto Stamp Einhorn»: Die Österreichische Post gibt eigene Crypto Stamps heraus, die mit der Schweizer Serie nichts zu tun haben. In der Schweizer Serie gab es ein Einhorn nur als Unikat der Ausgabe 4.0.
Was die Crypto Stamp nicht ist
Eine Crypto Stamp ist ein Sammlerstück, kein Anlageprodukt. Die Post selbst beschreibt das Risiko als dasselbe wie bei einer normalen Briefmarke – plus die Risiken der Kryptowelt: Kursschwankungen, Fehlbedienung und Betrug. Die wichtigsten Punkte:
- Verlorene Wörter, verlorenes NFT. Liegt das NFT auf dem Bogen und geht dieser verloren, ist es für immer weg.
- Falsche Adresse. Ein Tippfehler bei der Zieladresse schickt das NFT unwiderruflich ins Leere. Adressen immer per QR-Code oder Kopieren aus dem Wallet übernehmen.
- Gefälschte NFTs. Auf Marktplätzen kursieren Kopien. Echt ist nur, was vom Programm auf der Blockchain, das Regeln automatisch ausführt; hier verwaltet es die echten Crypto-Stamp-NFTs. der Post stammt.
- Kein Rückgaberecht. Die Post tauscht Crypto Stamps nicht um und nimmt sie nicht zurück.
Wer sich für die Technik dahinter interessiert, findet Begriffe wie Polygon, Gas Fee und Seed Phrase in unserem Krypto-Glossar. Und wer statt eines Briefmarken-NFTs lieber Ethereum oder Bitcoin selbst halten möchte, braucht dafür ein Konto bei einer Krypto-Börse.
Sie möchten Bitcoin oder Ether direkt besitzen, nicht nur ein Briefmarken-NFT? Ein Konto bei einer Krypto-Börse ist dafür der erste Schritt.
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