Kurzfazit: keine Hauptbörse für die Schweiz
Binance bietet, was viele an einer Börse suchen: eine enorme Auswahl an Coins, tiefe Gebühren im Spot-Handel und einen Marktplatz, auf dem Privatpersonen untereinander handeln. Für Menschen mit Wohnsitz in der Schweiz fehlen aber drei Dinge, die wir bei jeder Plattform prüfen. Erstens eine Schweizer Aufsicht: Binance hat keine FINMA-Bewilligung, und eine Mitgliedschaft bei einer Schweizer Selbstregulierungsorganisation fanden wir nicht. Zweitens eine EU-Lizenz als Ersatz: Keine Binance-Gesellschaft steht im Register der MiCA-Anbieter. Drittens ein Franken-Konto: Überweisungen in Franken für Privatkunden konnten wir nicht bestätigen. Dazu kommt, dass wir auf den abrufbaren Seiten nicht herausfinden konnten, mit welcher Gesellschaft Schweizer Kundschaft den Vertrag schliesst.
Nutzen können Binance erfahrene Anlegerinnen und Anleger, die bereits Krypto besitzen, einen bestimmten Token nur dort finden und auf der Plattform lediglich das halten, was sie gerade handeln. Wer Franken einzahlen will, Wert auf eine Schweizer Aufsicht legt, Steuerunterlagen braucht oder gerade erst anfängt, ist bei einem der regulierten Anbieter am Ende dieses Berichts besser aufgehoben. Unser Urteil: als Hauptbörse in der Schweiz nicht empfohlen.
Ist Binance in der Schweiz legal?
Für Sie als Privatperson ist die Nutzung nicht verboten. Kein Schweizer Gesetz untersagt es, ein Konto bei einer ausländischen Börse zu eröffnen, und die Schweiz stand bei unserer Prüfung nicht auf der Liste der gesperrten Länder in den Binance-Bedingungen. Die eigentliche Frage ist eine andere: Wer schützt Sie, wenn etwas schiefläuft?
Die Antwort fällt ernüchternd aus. In der Liste der von der FINMA bewilligten Institute steht keine Binance-Gesellschaft. Eine Mitgliedschaft bei einer Selbstregulierungsorganisation: von der FINMA anerkannter Verband, der bei seinen Mitgliedern die Geldwäscherei-Pflichten überwacht. wie VQF, PolyReg oder SO-FIT fanden wir nicht. Und im Register der EU-Wertpapieraufsicht ESMA für Anbieter nach der Verordnung Markets in Crypto-Assets: EU-Verordnung, nach der Krypto-Dienstleister in der EU zugelassen werden. In der Schweiz gilt sie nicht. taucht Binance nicht auf, obwohl dort Konkurrenten wie Kraken, Coinbase oder Bitpanda eingetragen sind. Beaufsichtigt sind Binance-Gesellschaften etwa am Finanzplatz ADGM in Abu Dhabi; das betrifft Privatkunden in der Schweiz aber nicht.
Praktisch heisst das: Es gibt keine Schweizer Ombudsstelle, keine Einlagensicherung und keine Behörde, an die Sie sich hierzulande wenden könnten. Auch der Schutz von Art. 242a SchKG, der verwahrte Kryptowerte im Konkurs eines Schweizer Anbieters aussondert, greift bei einer Insolvenz im Ausland nicht automatisch. Welches Recht und welcher Gerichtsstand für Schweizer Kundschaft gelten, konnten wir den abrufbaren Seiten nicht entnehmen. Wie Sie einen Anbieter in fünf Minuten selbst prüfen, erklärt unser Ratgeber zur FINMA-Regulierung.
Die Vorgeschichte: der Vergleich in den USA
Im November 2023 bekannte sich die Binance Holdings Ltd in den USA schuldig, gegen Vorschriften zur Geldwäschereibekämpfung, gegen die Registrierungspflicht für Geldüberweisungsdienste und gegen Sanktionsrecht verstossen zu haben. Die Vergleiche mit den US-Behörden summierten sich auf rund USD 4,3 Milliarden; allein auf FinCEN entfielen USD 3,4 Milliarden und auf die Sanktionsbehörde OFAC USD 968 Millionen. Das US-Finanzministerium sprach von den grössten Vergleichen seiner Geschichte und ordnete eine fünfjährige Überwachung durch einen unabhängigen Monitor an. Gründer Changpeng Zhao bekannte sich schuldig, kein wirksames Programm gegen Geldwäscherei unterhalten zu haben, trat als CEO zurück und wurde im April 2024 zu vier Monaten Haft verurteilt. Im Oktober 2025 begnadigte ihn der US-Präsident.
Über die heutige Zahlungsfähigkeit von Binance sagt das nichts. Es zeigt aber, dass die Börse jahrelang unter Bedingungen gewachsen ist, die Aufsichtsbehörden später als ungenügend einstuften – ein Grund mehr, genau hinzuschauen, wem man sein Geld anvertraut.
Einzahlen ohne Franken-Konto
Eine Banküberweisung in Franken für Privatkunden konnten wir nicht bestätigen. Erfahrungsberichte beschreiben drei Wege, wie Nutzer in der Schweiz ihr Konto finanzieren:
- Karte: Die Gebühr erscheint an der Kasse; einen veröffentlichten Kartentarif für die Schweiz fanden wir nicht. Bei CHF 1’000 kostet jedes Prozent Zuschlag CHF 10.
- P2P: Auf dem Peer-to-Peer: Privatpersonen handeln direkt miteinander. Die Plattform hält die Coins des Verkäufers bis zur Zahlung zurück.-Marktplatz bezahlen Sie eine Privatperson direkt. Binance führt einen Filter für Bitcoin gegen TWINT in Franken; als wir die Seite aufriefen, war dort kein einziges Angebot zu sehen. Bei P2P tragen Sie zudem das Risiko von Streitfällen und Rückbuchungen. Ein Schweizer Gegenstück ist Peach Bitcoin (Peach Sàrl, Neuenburg, PolyReg) mit 2 Prozent Gebühr, mehr dazu unter Krypto mit TWINT kaufen.
- Krypto-Transfer: Sie kaufen bei einem Schweizer Anbieter und senden die Coins an Binance. Wegen der Regel, nach der Anbieter bei Krypto-Überweisungen Angaben zu Absender und Empfänger erheben und prüfen müssen. fragt Ihr Schweizer Anbieter dabei, wem die Empfängeradresse gehört.
Der Rückweg ist ebenso umständlich: Ohne bestätigte Franken-Auszahlung senden Sie die Coins meist an einen Schweizer Anbieter und verkaufen sie dort. Was dabei zu beachten ist, zeigt der Ratgeber Krypto auszahlen.
Rechenbeispiel: CHF 1’000 in einen Altcoin
- Über einen Schweizer Anbieter: Bei Kraken zahlen Sie CHF 1’000 per SIC gratis ein. Ein Kauf von Bitcoin als Taker in Kraken Pro kostet 0,80 Prozent, also CHF 8. Dazu kommt die Netzwerkgebühr für den Transfer, die je nach Coin schwankt. Bei Binance tauschen Sie dann für 0,10 Prozent in den gewünschten Token: CHF 0.99, mit BNB-Rabatt rund CHF 0.74. Total rund CHF 9 plus Netzwerkgebühr.
- Per Karte direkt bei Binance: Die Spot-Gebühr von 0,10 Prozent ist hier nicht der entscheidende Posten, sondern der Kartenzuschlag, den Binance für die Schweiz nicht veröffentlicht.
- Zum Vergleich: Wer nur Bitcoin will, braucht den Umweg nicht. Bei Swissquote kosten CHF 1’000 Bitcoin im Einstiegstarif 1,00 Prozent, also CHF 10, direkt in Franken und bei einer FINMA-beaufsichtigten Bank.
Gebühren im Vergleich
Binance verlangt im Spot-Handel 0,10 Prozent als Maker stellen ein Angebot ins Orderbuch und warten auf eine Gegenpartei. Taker nehmen ein bestehendes Angebot sofort an.; wer die Gebühr in BNB bezahlt, der hauseigenen Kryptowährung, erhält 25 Prozent Rabatt. Das ist tiefer als bei den meisten Konkurrenten. Die tiefe Gebühr gilt aber nur im Orderbuch. Für vereinfachte Kauf- und Tauschfunktionen fanden wir keinen festen Satz; prüfen Sie den Kurs in der Auftragsübersicht.
| Binance | CEX.IO | Kraken | Swissquote | |
|---|---|---|---|---|
| Spot Maker / Taker | 0,10 % / 0,10 % | 0,15 % / 0,25 % | 0,40 % / 0,80 % | 1,00 % bis 0,08 % |
| Franken per Bank | nicht bestätigt | nein (EUR, USD) | SIC gratis ab CHF 1 | Konto mit Schweizer IBAN |
| Vertragspartner CH | nicht genannt | CEX OVRS LLC, Nevis | Payward Trading Ltd, BVI | Swissquote Bank, Gland |
| Aufsicht | keine FINMA, keine SRO gefunden | keine Behörde genannt | Gruppe: MiCA (Irland) | FINMA-Bank |
Die Tabelle zeigt, dass tiefe Gebühren und Schweizer Aufsicht selten zusammenkommen. Details zur internationalen Alternative mit Kartenkauf stehen im Testbericht zu CEX.IO.
Coins, Karte und Bezahlen
Die Coin-Auswahl ist sehr gross, eine verbindliche Liste für Schweizer Kundschaft fanden wir nicht. Ob Earn-, Staking- oder Derivateprodukte für Wohnsitz Schweiz freigeschaltet sind, haben wir nicht bestätigen können. Die Binance-Karte gibt es in Europa nicht mehr: Das Visa-Programm endete im Dezember 2023, eine Karte für die Schweiz fanden wir nicht. Welche Karten tatsächlich erhältlich sind, zeigt die Übersicht Krypto-Karten Schweiz.
Eine Schweizer Besonderheit: Laut Medienberichten akzeptieren seit August 2025 Filialen von Spar Schweiz Zahlungen über Binance Pay, abgewickelt vom Zuger Anbieter DFX; der Laden erhält Franken. Wer Coins längerfristig hält, sollte sie ohnehin nicht auf der Börse lassen, sondern in eine eigene Wallet übertragen.
Steuern
Einen Schweizer Steuerauszug von Binance konnten wir nicht finden. Sie sind auf Kontoauszüge und Exporte der Transaktionshistorie angewiesen und bewerten den Bestand selbst: Massgebend ist der Wert per 31. Dezember, für gängige Coins der Steuerwert aus der Kursliste der ESTV, für exotische Token der Jahresendkurs einer grossen Börse. Erträge aus Earn- oder Staking-Produkten sind Einkommen. Wer viel und mit Hebel handelt, riskiert die Einstufung als gewerbsmässiger Händler. Mit dem internationalen Meldestandard CARF sollen ausländische Plattformen künftig Daten an Partnerstaaten liefern; ob und wann Binance-Daten in die Schweiz fliessen, ist offen. Die Grundlagen stehen unter Krypto-Steuern Schweiz, die Deklaration Schritt für Schritt unter Krypto in der Steuererklärung.
Stärken und Schwächen
Konkret gut
- Spot-Gebühr 0,10 % für Maker und Taker, mit BNB 0,075 %
- P2P-Marktplatz mit eigenem TWINT-Filter für Franken
- Binance Pay laut Medienberichten an Kassen von Spar Schweiz nutzbar
Zu beachten
- Keine FINMA-Bewilligung, keine Schweizer SRO gefunden, kein Eintrag im ESMA-Register für MiCA
- Keine Franken-Banküberweisung für Privatkunden bestätigt
- Vertragspartner für Wohnsitz Schweiz auf den abrufbaren Seiten nicht genannt
- Schuldbekenntnis und Vergleiche über rund USD 4,3 Mrd. in den USA (2023)
- Binance-Karte in Europa seit Dezember 2023 eingestellt
Falls Sie trotzdem ein Konto eröffnen
Gefälschte Binance-Seiten, Apps und «Support»-Konten gehören zu den verbreiteten Maschen; mehr dazu im Ratgeber Krypto-Betrug.
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Offizielle Adresse nutzen
Tippen Sie binance.com selbst ein oder laden Sie die App aus dem offiziellen Store. Klicken Sie keine Links aus Werbung oder Nachrichten an.
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Identität bestätigen
Halten Sie Pass oder ID bereit und rechnen Sie mit Selfie und Adressangaben; bei höheren Beträgen folgen Fragen zur Herkunft der Mittel.
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Konto absichern
Aktivieren Sie Zwei-Faktor-Authentifizierung mit einer App statt per SMS und beschränken Sie Auszahlungen auf eigene Adressen, wo das möglich ist.
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Klein finanzieren
Senden Sie zuerst einen kleinen Betrag von einem Schweizer Anbieter und prüfen Sie, ob er korrekt ankommt.
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Nichts liegen lassen
Testen Sie früh eine Auszahlung in Ihre eigene Wallet und halten Sie auf der Börse nur, was Sie gerade handeln.
Regulierte Alternativen
Wer in der Schweiz wohnt, findet für fast jeden Zweck einen Anbieter mit Franken-Weg und klarerer Aufsicht:
- Kraken: Franken per SIC gratis ab CHF 1, Kraken Pro ab 0,40 / 0,80 Prozent. Die Gruppe hat eine MiCA-Lizenz in Irland, Schweizer Kundschaft kontrahiert mit einer Gesellschaft auf den Britischen Jungferninseln.
- Swissquote: Bank mit FINMA-Bewilligung in Gland, 55 Kryptowährungen im Konto mit Schweizer IBAN.
- Bitpanda: MiCA-Zulassung der österreichischen FMA, Franken ab CHF 10, laut wallee auch per PostFinance Pay.
- SwissBorg: rund 400 Coins, MiCA über die französische AMF; Franken allerdings nur per SWIFT.
- Relai und Mt Pelerin: Schweizer Firmen mit SRO-Mitgliedschaft (VQF beziehungsweise SO-FIT), Franken-Einzahlung, Coins in die eigene Wallet.
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