Exodus ist eine Wallet-App für Computer und Smartphone, die vor allem eines richtig macht: Sie ist in wenigen Minuten eingerichtet, braucht kein Konto und keine Identitätsprüfung, und Sie halten Ihre Schlüssel selbst. Für Schweizerinnen und Schweizer, die neben Bitcoin auch andere Coins in einer übersichtlichen App verwalten, kleine Beträge tauschen oder mit Krypto bezahlen möchten, ist das ein bequemer Einstieg in die Selbstverwahrung.
Für Ersparnisse ist eine reine App aber die falsche Wahl. Exodus ist eine Wallet, deren Schlüssel auf einem Gerät mit Internetverbindung liegen, meist Computer oder Smartphone. Bequem, aber anfälliger für Schadsoftware und Phishing., und Schadsoftware, gefälschte Apps oder ein gestohlenes Handy sind reale Risiken. Wer mehr als ein Monatsbudget in Krypto hält, kombiniert Exodus mit einer Hardware-Wallet oder wählt gleich eine wie Trezor oder BitBox. Und wer häufig tauscht, sollte die Swap-Kosten kennen: Sie stecken zum Teil im Kurs.
Was Exodus ist – und was nicht
Hinter der App steht die Exodus Movement, Inc., gegründet 2015. Seit Dezember 2024 werden ihre Aktien unter dem Kürzel EXOD an der NYSE American gehandelt; vorher waren sie im ausserbörslichen Segment OTCQX notiert. Für Sie als Nutzer heisst das vor allem: Das Unternehmen veröffentlicht als börsenkotierte Firma regelmässig Zahlen. Eine Aussage über die Sicherheit Ihrer Coins ist das nicht.
Wichtiger ist das Modell: Exodus ist Sie allein halten die privaten Schlüssel. Kein Anbieter kann Ihre Coins einfrieren – aber auch niemand kann sie zurückholen, wenn die Wörter verloren gehen.. Die Schlüssel werden laut Exodus verschlüsselt auf Ihrem eigenen Gerät gespeichert, nicht auf Servern des Unternehmens. Gesichert wird alles über eine Wiederherstellungsphrase mit 12 Wörtern. Daraus folgt dreierlei: Exodus kann Ihr Guthaben nicht sperren; Exodus kann Ihnen aber auch nicht helfen, wenn die Wörter weg sind; und eine Schweizer Einlagensicherung oder Konkursaussonderung spielt keine Rolle, weil gar kein Verwahrer existiert.
Der Code ist nur teilweise offen. Exodus schreibt selbst, die App baue auf vielen Open-Source-Komponenten auf, einige Teile blieben aber geschlossen, damit sich die App nicht so leicht für Phishing-Kopien nachbauen lasse. Unabhängige Fachleute können damit nicht alles prüfen – ein Unterschied zu Trezor und BitBox.
Kosten: Senden, Tauschen, Kaufen
Senden und Empfangen: Exodus verlangt laut Support keine eigene Gebühr. Fällig ist nur die Gebühr, die an die Miner oder Validatoren einer Blockchain geht, damit Ihre Transaktion verarbeitet wird. Sie hängt von der Netzauslastung ab, nicht vom Betrag., und Exodus behält davon nach eigenen Angaben nichts.
Tauschen (Swaps): Hier verdient Exodus. Seit Januar 2025 nennt das Unternehmen für Swaps Gebühren «ab 0,5 Prozent» mit einem festen Kurs, solange das Angebot gilt. Abgewickelt werden die Swaps über Drittanbieter. Dazu kommt ein variabler Unterschied zwischen dem angebotenen Kurs und dem Marktkurs. Er erscheint nicht als eigene Gebühr, sondern steckt im Umtauschverhältnis. und die Netzwerkgebühr, um die Coins an den Swap-Anbieter zu senden.
Kaufen und Verkaufen gegen Franken oder Euro: Exodus selbst verkauft keine Coins. Die App verbindet Sie mit Drittanbietern, die eine eigene Identitätsprüfung verlangen und eigene Gebühren erheben. Welche Anbieter und Zahlungsarten für einen Wohnsitz in der Schweiz erscheinen, konnten wir nicht bestätigen; das sehen Sie erst in der App.
Rechenbeispiel: Ether für CHF 1’000 in Bitcoin tauschen
Sie halten Ether im Wert von CHF 1’000 und wollen in Bitcoin wechseln. Bei der von Exodus genannten Mindestgebühr von 0,5 % sind das mindestens CHF 5. Wie hoch der Spread ausfällt, publiziert Exodus nicht; er hängt vom Coin-Paar und vom Markt ab. Dazu kommt die Ethereum-Netzwerkgebühr für den Versand an den Swap-Anbieter, die je nach Auslastung stark schwankt; bei hohen Gebühren warnt die App. Massgebend ist das Umtauschverhältnis, das Exodus vor der Bestätigung anzeigt. Vergleichen Sie es mit dem aktuellen Kurs auf einer Börse: Die Differenz ist Ihr tatsächlicher Preis.
Wer Bitcoin dagegen neu mit Franken kauft, fährt mit einer Schweizer App oft transparenter. Relai etwa nennt 1 % Gebühr bei Banküberweisung in Franken und sendet direkt in die eigene Wallet; Mt Pelerin kauft bis CHF 500 ohne Kommission. Die Bitcoin lassen sich danach an Ihre Exodus-Adresse schicken.
| Exodus | Bridge Wallet | Relai | Trezor Safe 3 | |
|---|---|---|---|---|
| Typ | App, Multi-Coin | App, Multi-Chain | App, nur Bitcoin | Hardware-Wallet |
| Anbieter | Exodus Movement, Inc. | Mt Pelerin, Genf | Relai AG, Zürich | Trezor, Prag |
| Selbstverwahrung | ||||
| Kauf mit CHF | über Drittanbieter | SIC, QR-Rechnung | Banküberweisung | |
| Kosten | Swaps ab 0,5 % + Spread | bis CHF 500 ohne Kommission | 1,0 %, ab CHF 50 | CHF 49 einmalig |
Die Risiken einer Hot Wallet
Bei Exodus liegen die Schlüssel auf einem Gerät, das täglich online ist. Damit sind Sie den typischen Angriffen ausgesetzt: Schadsoftware, die Zwischenablage oder Bildschirm ausliest; gefälschte Exodus-Apps in App-Stores oder per Suchanzeige; Phishing-Mails und falsche Support-Konten, die nach den Wörtern fragen. Wie verwundbar Software-Wallets sein können, zeigte im Dezember 2025 der Fall Trust Wallet: Eine manipulierte Version der Chrome-Erweiterung brachte Nutzer um rund USD 7 Millionen. Exodus war davon nicht betroffen, das Muster gilt aber für jede App.
- App nur über exodus.com oder den offiziellen Store-Eintrag installieren, nie über Suchanzeigen
- Die 12 Wörter von Hand auf Papier notieren – kein Foto, keine Cloud, keine Notiz-App
- App-Code und Biometrie aktivieren, Betriebssystem aktuell halten
- Empfangsadressen nach dem Einfügen Zeichen für Zeichen prüfen
- Wiederherstellung einmal mit kleinem Betrag testen
- Nur ausgeben, was Sie verlieren könnten – Ersparnisse auf eine Hardware-Wallet
- Niemandem die Wörter nennen, auch keinem «Support» – Exodus fragt nie danach
Die häufigsten Betrugsmaschen in der Schweiz und was im Ernstfall zu tun ist, beschreibt unser Ratgeber Krypto-Betrug.
Exodus mit Hardware-Wallet
Die Schwäche der Hot Wallet lässt sich teilweise beheben: Exodus kann als Oberfläche für eine Hardware-Wallet dienen, die Schlüssel bleiben dann auf dem Gerät. Laut Exodus-Support unterstützt die Desktop-App Trezor Model One, Model T, Safe 3 und Safe 5; den Safe 7 nennt der Support für die Mobile-App per Bluetooth. Eine Einschränkung: Trezor-Geräte mit Bitcoin-only-Firmware funktionieren nicht, das Gerät muss vorher in der Trezor Suite eingerichtet sein.
Für Ledger gilt das Umgekehrte: Nano X und Flex lassen sich mit der Mobile-App per Bluetooth verbinden, laut Exodus für Bitcoin, Ethereum, Solana, Base, Polygon und Tron. Die Ledger wird zuvor in der Ledger-App eingerichtet und behält ihre eigene Wiederherstellungsphrase – Sie sichern also zwei Phrasen, eine für Exodus, eine für die Ledger. Was die Geräte selbst taugen, steht in unseren Tests zu Trezor und Ledger.
Travel Rule: die Exodus-Adresse nachweisen
Wer Coins von einer Schweizer Börse oder Bank an Exodus auszahlen will, muss oft belegen, dass die Adresse ihm gehört. Grund ist die Regel, wonach bei Krypto-Überweisungen Angaben zu Absender und Empfänger mitgehen müssen. Die FINMA wendet sie seit 2019 ohne Ausnahme für private Wallets an.: Beaufsichtigte Anbieter dürfen seit der FINMA-Aufsichtsmitteilung 02/2019 grundsätzlich nur an externe Wallets ihrer eigenen, identifizierten Kunden senden. Üblich sind ein Screenshot der Adresse in der App, ein kleiner Testbetrag oder eine signierte Nachricht. Ob Exodus Nachrichten signieren kann, haben wir nicht bestätigt; fragen Sie Ihren Anbieter, welche Nachweise er akzeptiert. Hintergründe im Ratgeber FINMA und Krypto-Regulierung.
Exodus eingerichtet und die Wörter sicher notiert? Kaufen Sie Coins bei einer Börse und senden Sie sie an Ihre eigene Adresse – zuerst einen Testbetrag.
Seit 2013 am MarktGruppe registriert bei FinCEN (USA) und FCA (UK)
Steuern
Exodus liefert keinen Steuerauszug. Selbst verwahrte Coins deklarieren Sie per 31. Dezember im Wertschriftenverzeichnis zum Kurs der ESTV-Kursliste. Swaps sind für Privatanleger in der Regel steuerfreie Kapitalgewinne oder nicht abziehbare Verluste – häufiges Tauschen kann aber ein Kriterium für die Einstufung als gewerbsmässiger Händler sein. Notieren Sie deshalb Datum, Betrag und Kurs jedes Swaps. Mehr in Krypto-Steuern in der Schweiz und Krypto in der Steuererklärung.
Stärken und Schwächen
Konkret gut
- Selbstverwahrung ohne Konto und ohne Identitätsprüfung für die Wallet
- Keine Exodus-Gebühr beim Senden, nur die Netzwerkgebühr
- Desktop-Anbindung an Trezor Safe 3 und Safe 5, Mobile-Anbindung an Ledger Nano X und Flex
- Börsenkotierter Anbieter (NYSE American: EXOD) mit öffentlichen Berichten
Zu beachten
- Hot Wallet: Schlüssel auf einem Gerät mit Internetverbindung
- Swaps ab 0,5 % plus nicht publizierter Spread
- Code nur teilweise Open Source
- Kauf und Verkauf nur über Drittanbieter mit eigener KYC; CHF-Optionen nicht bestätigt
- Keine Unterstützung für Trezor mit Bitcoin-only-Firmware
Für wen Exodus passt
Exodus passt zu Menschen, die Krypto im Alltag nutzen, mehrere Coins in einer App sehen möchten und ihre Schlüssel selbst halten wollen, ohne gleich ein Gerät zu kaufen. Für kleine Beträge ist das eine solide Lösung, für grosse nicht. Wer in der Schweiz ausschliesslich Bitcoin spart, ist mit Relai oder einer Hardware-Wallet wie der BitBox besser bedient. Wer eine Schweizer App mit Franken-Kauf und Selbstverwahrung sucht, schaut sich die Bridge Wallet von Mt Pelerin an. Und wer bei Exodus bleibt, verbindet die App mit einer Hardware-Wallet, sobald die Beträge wachsen. Den Überblick über alle Varianten gibt Krypto-Wallets in der Schweiz.