Pocket ist kein Handelsplatz, sondern eher ein Förderband: Sie richten bei Ihrer Bank einen Dauerauftrag ein, Pocket tauscht jede eingehende Zahlung in Bitcoin und schickt die Coins noch am selben Abend an Ihre eigene Wallet. Ein Konto mit Guthaben gibt es nicht, ein Kursdiagramm zum Nervöswerden auch nicht. Wer jeden Monat CHF 50 oder CHF 200 in Bitcoin sparen und die Schlüssel selbst halten will, findet bei der Pocket App AG aus Lupfig im Aargau einen der einfachsten Wege dazu. Pluspunkt gegenüber der Konkurrenz: Es gibt keinen Mindestbetrag.
Nichts für Sie ist Pocket, wenn Sie andere Coins als Bitcoin suchen, mit Karte oder TWINT bezahlen möchten oder einen einmaligen grossen Kauf planen – dafür ist die Gebühr von 1,5 % im Vergleich hoch. Und wer sich keine Gedanken über eine eigene Wallet machen will, ist bei einer Bank-App besser aufgehoben. Diese Einschätzung stützt sich auf die FAQ, die Rechtsangaben und den Blog von Pocket, nicht auf eigene Testkäufe.
Wer hinter Pocket steht und wie sicher das Modell ist
Betreiberin ist die Pocket App AG, Industriestrasse 33, 5242 Lupfig, eingetragen im Handelsregister des Kantons Aargau. Sie ist Mitglied der Selbstregulierungsorganisation VQF, die Finanzintermediäre bei der Geldwäschereibekämpfung beaufsichtigt. Eine Bank- oder FinTech-Bewilligung der FINMA hat Pocket nicht und braucht sie für dieses Modell auch nicht – warum, erklärt unser Ratgeber zur FINMA-Regulierung. Nach eigenen Angaben zählt Pocket über 50’000 Kunden in der Schweiz und Europa.
Wichtiger als die Aufsicht ist das Modell. Pocket ist nicht verwahrend: Das Unternehmen hält keine privaten Schlüssel, die gekauften Bitcoin gehören ab der Auszahlung allein Ihnen. Ein Konkurs von Pocket würde Ihre bereits ausgezahlten Coins nicht berühren. Das Risiko verschiebt sich damit zu Ihnen: Verlieren Sie die Wiederherstellungswörter Ihrer Wallet, ist das Geld weg, und niemand kann helfen. Wie Sie eine Wallet sauber einrichten und sichern, steht im Ratgeber Krypto-Wallets in der Schweiz.
Damit niemand versehentlich an eine fremde Adresse kauft, verlangt Pocket bei Käufen an eine externe Wallet eine digitale Signatur: Sie unterschreiben mit Ihrer Wallet eine Nachricht und beweisen so, dass Sie die Adresse kontrollieren. Das können unter anderem Bitcoin Core, Electrum, Sparrow und BlueWallet. Auf Wunsch teilen Sie den erweiterten öffentlichen Schlüssel Ihrer Wallet, dann zahlt Pocket jedes Mal an eine neue Adresse aus – gut für die Privatsphäre.
Geld rein: Dauerauftrag, Franken, keine Karte
Bezahlt wird ausschliesslich per Banküberweisung, in Franken oder Euro. Sie erstellen auf der Website oder in der App einen einmaligen oder wiederkehrenden Auftrag und erhalten Zahlungsangaben mit einer Referenz. Diese übernehmen Sie in einen Dauerauftrag bei Ihrer Hausbank – ob wöchentlich, monatlich oder, mit mehreren Daueraufträgen, sogar täglich. Ohne die Referenz in der Zahlungsmitteilung verzögert sich der Kauf.
Ein Detail für Eilige: Echtzeitzahlungen nimmt Pocket nur als SEPA Instant in Euro über seine britische Bankverbindung an. Über die Schweizer Bank funktionieren Instant Payments nicht. Eine Franken-Überweisung braucht je nach Bank wenige Minuten bis mehrere Werktage; Pocket rät, morgens zu zahlen. Karte, Apple Pay und TWINT gibt es nicht. Welche Anbieter Karten akzeptieren und was das kostet, steht auf der Seite Krypto mit Kreditkarte kaufen.
Sobald die Zahlung eintrifft, kauft Pocket automatisch Bitcoin. Die Auszahlungen des Tages bündelt Pocket gegen 22 Uhr in einer Sammeltransaktion, so teilen sich Hunderte Kunden die Netzwerkgebühr. Verkaufen ist über ein Widget auf der Website möglich; Bitcoin, die über Pocket gekauft wurden, nimmt Pocket problemlos zurück, für mehr verlangt es Kaufbelege. Die Verkaufsgebühr nennen die FAQ nicht. Andere Wege zurück in Franken zeigt der Ratgeber Krypto auszahlen.
Rechenbeispiel: CHF 1’000 in Bitcoin
Laut der Gebührenseite von Pocket sieht ein Kauf von CHF 1’000 so aus:
- Überweisung von Ihrer Bank an Pocket: in der Regel CHF 0
- Servicegebühr 1,5 %: CHF 15
- Gekauft werden Bitcoin für CHF 985, zum Kraken-Kurs im Moment der Ausführung
- Anteilige Netzwerkgebühr bei der Auszahlung: rund 500 bis 1000 Satoshi, laut Pocket etwa 10 bis 25 Rappen
- Total: rund CHF 15.10 bis 15.25
Einen Kartenweg gibt es bei Pocket nicht. Spannender ist die Rechnung im Kleinen: Bei einem Wochensparplan über CHF 20 kostet die Servicegebühr 30 Rappen, die Netzwerkgebühr kommt mit 10 bis 25 Rappen dazu – zusammen also 2 bis fast 3 %. Pocket weist zudem darauf hin, dass viele kleine Käufe viele kleine Unverbrauchte Transaktionsausgaben: Jede Zahlung an Ihre Wallet bleibt ein eigenes Stück Bitcoin. Viele kleine Stücke machen das spätere Ausgeben teurer. erzeugen, die Sie ab und zu in einer günstigen Phase zusammenlegen sollten. Kaufen Sie mehrmals am selben Tag an dieselbe Adresse, fällt die Netzwerkgebühr unter Umständen nur einmal an.
Gebühren im Vergleich mit Relai und DFX.swiss
Die drei Schweizer Dienste schicken Coins direkt in Ihre Wallet, unterscheiden sich aber bei Preis und Mindestbetrag. Relai verlangt 1,0 % plus einen kleinen Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Sie steht in keiner Gebührenliste, kostet aber bei jedem Kauf., mindestens aber CHF 50 pro Kauf. Pocket betont dagegen, keinen Aufschlag auf den Kraken-Kurs zu nehmen – die 1,5 % sind alles.
| Relai | DFX.swiss | ||
|---|---|---|---|
| Sitz und SRO | Lupfig AG, VQF | Zürich, VQF | Zug, VQF |
| Gebühr Kauf per Überweisung | 1,5 %, kein Fixminimum | 1,0 % plus Spread | 1,49 % (Website: ab 1 %) |
| Mindestbetrag | keiner | CHF 50 | nicht publiziert |
| Karte | +3 % | ||
| Coins | nur Bitcoin | nur Bitcoin | über 80 |
| Verifizierung | für alle seit Dez. 2025 | für alle seit Okt. 2024 | ab CHF 1’000 |
Für einen einmaligen Kauf über CHF 1’000 ist Relai mit rund CHF 10 plus Spread günstiger, DFX liegt mit CHF 14.90 fast gleichauf mit Pocket. Für Daueraufträge unter CHF 50 scheidet Relai aus, und bei DFX ist kein Mindestbetrag publiziert. Wer viel und oft kauft, fährt mit einer Börse wie Kraken günstiger, muss die Coins dann aber selbst abziehen – dazu der Kraken-Testbericht. Den direkten Vergleich mit dem Zürcher Konkurrenten liefert der Relai-Testbericht.
Lightning, Wallets und was Pocket nicht kann
Pocket ist strikt Bitcoin-only: kein Ether, keine Stablecoins, kein Staking, keine Karte. Dafür gibt es seit September 2023 einen Ein Zahlungsnetz auf Bitcoin für kleine Beträge: Zahlungen kommen in Sekunden an und kosten meist nur wenige Rappen.-Top-up-Dienst. Zum Start liessen sich Satoshi an die selbstverwahrenden Wallets Phoenix und Breez auszahlen, eine weitere Anleitung von Pocket beschreibt die Auszahlung an eine Alby-Wallet. Das eignet sich, um eine Lightning-Wallet fürs Bezahlen aufzufüllen, etwa für Einkäufe in Lugano, wo im Rahmen von Plan ₿ Hunderte Geschäfte Bitcoin annehmen. Welche Lightning-Wallets Pocket heute genau unterstützt, prüfen Sie vor der Einrichtung auf der Website.
Für grössere Summen lohnt sich eine Hardware-Wallet; Pocket zeigt auf seiner Startseite die BitBox02 des Schweizer Herstellers Shift Crypto als Beispiel. Mehr dazu im BitBox-Testbericht. Die Pocket-App selbst gibt es im Schweizer App Store und bei Google Play, zusätzlich als direkte APK-Datei.
Verifizierung: Videoanruf statt KYC-Light
Lange war Pocket bekannt dafür, kleine Beträge mit minimaler Identifikation zu ermöglichen. Damit ist Schluss: Seit Dezember 2025 müssen alle Kunden eine einmalige vollständige Know Your Customer: die gesetzlich vorgeschriebene Identifikation, mit der Finanzdienstleister prüfen, wer ihre Kundschaft ist.-Prüfung durchlaufen. Pocket begründet das mit der auf CHF 999 pro Monat gesenkten Schwelle für vereinfachte Identifikation sowie mit den internationalen Regelwerken CARF und MiCA. Verifizierte Kunden können danach mehr als CHF 1’000 pro Monat kaufen.
Die Prüfung macht Pocket selbst, ohne externen KYC-Dienstleister. Sie buchen einen Termin, jemand aus dem Pocket-Team meldet sich per Video, das Gespräch dauert 5 bis 10 Minuten und wird mit Ton aufgezeichnet. Sie brauchen ein Gerät mit Kamera, einen gültigen Ausweis sowie Angaben zu Ihrer Person und Ihren Finanzen.
Steuern: selbst deklarieren mit Export
Weil die Bitcoin in Ihrer eigenen Wallet liegen, gibt es keinen Steuerauszug einer Bank. Pocket bietet eine Transaktionsübersicht, die Sie für Steuerzwecke exportieren können – praktisch als Kaufbeleg. Deklarieren müssen Sie den Bestand am 31. Dezember im Wertschriftenverzeichnis, bewertet mit dem Jahresendkurs der ESTV-Kursliste. Kursgewinne bleiben für Privatanleger steuerfrei; ein regelmässiger Sparplan macht Sie nicht zum gewerbsmässigen Händler. Die Details stehen im Ratgeber Krypto in der Steuererklärung.
Vor- und Nachteile
Konkret gut
- Kein Mindestbetrag und keine fixe Mindestgebühr – auch CHF 10 pro Woche sind möglich
- Bitcoin gehen automatisch an Ihre eigene Wallet, Pocket hält keine Schlüssel
- Ausführung zum Kraken-Kurs ohne zusätzlichen Spread, laut Pocket nachprüfbar
- Dauerauftrag bei der eigenen Hausbank genügt als Sparplan
- Aargauer Unternehmen, Mitglied der SRO VQF, Verifizierung im eigenen Haus
Zu beachten
- Nur Bitcoin – keine Altcoins, keine Stablecoins
- 1,5 % Gebühr, höher als Relai mit 1,0 %
- Keine Karte und kein TWINT, nur Banküberweisung
- Instant Payments nur in Euro über die britische Bankverbindung
- Video-Verifizierung seit Dezember 2025 für alle Pflicht
So richten Sie einen Bitcoin-Sparplan bei Pocket ein
-
Wallet bereitstellen
Eine Bitcoin-Wallet mit Signaturfunktion wählen, etwa BitBox02, Sparrow, Electrum oder BlueWallet, oder die Pocket-App installieren. Wiederherstellungswörter offline notieren.
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Auftrag erstellen
Auf pocketbitcoin.com oder in der App einen einmaligen oder wiederkehrenden Auftrag anlegen, Franken oder Euro wählen und die Empfangsadresse per Signatur bestätigen.
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Verifizierung buchen
Einen Termin für den Videoanruf wählen, Ausweis bereithalten und Fragen zu Person und Finanzen beantworten. Zum Abschluss kommt ein sechsstelliger Code per E-Mail.
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Dauerauftrag einrichten
IBAN und Referenz von Pocket im E-Banking Ihrer Bank als Dauerauftrag erfassen, mit beliebigem Betrag und Rhythmus.
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Bitcoin empfangen
Pocket kauft bei Zahlungseingang und zahlt gegen 22 Uhr aus. Sie erhalten eine E-Mail, die Bestätigung im Netzwerk folgt meist über Nacht.
Mehr als einen gültigen Ausweis, ein Gerät mit Kamera und Auskünfte zu Ihrer finanziellen Situation verlangt Pocket laut FAQ nicht. Bei sehr grossen oder ungewöhnlichen Zahlungen können, wie bei jedem Finanzintermediär, Fragen zur Herkunft der Mittel folgen.
Sie möchten neben Bitcoin auch andere Coins kaufen oder mit Karte bezahlen?
Seit 2013 am MarktGruppe registriert bei FinCEN (USA) und FCA (UK)
Alternativen zu Pocket
Relai aus Zürich ist die naheliegendste Alternative: ebenfalls Bitcoin-only und selbstverwahrend, mit 1,0 % günstiger, aber mit CHF 50 Mindestbetrag. DFX.swiss aus Zug bietet über 80 Coins direkt in die eigene Wallet, ohne Karte. Wer Bitcoin lieber bei einer Schweizer Bank liegen lässt, schaut sich den Yuh-Testbericht an. Und wer bar kaufen will, findet im Ratgeber Bitcoin kaufen in der Schweiz alle Wege von der Post bis zum Automaten.
Relai
Relai im Test: Bitcoin-App aus Zürich mit 1 % Gebühr, Minimum CHF 50 und CHF 100’000 Jahreslimit. Was der Sparplan kostet und wie Pocket und DFX abschneiden.
Mt Pelerin
Mt Pelerin und Bridge Wallet im Check: CHF per SIC, erste CHF 500 pro Jahr ohne Kommission, Bargeld per QR-Rechnung an Post und SBB. Kosten, Limiten, Haken.
BitBox02
BitBox02 Nova aus Adliswil im Test: Bitcoin-only oder Multi, Bluetooth, microSD-Backup, Open Source – was die Schweizer Hardware-Wallet kann und wo sie endet.
Krypto-Wallets
BitBox aus Adliswil, Trezor ab CHF 49, Ledger, Tangem aus Zug: was zu wem passt, wie Sie die Seed-Phrase sicher lagern und was die Travel Rule verlangt.