Eine Krypto-Wallet ist kein Portemonnaie, in dem Bitcoin liegen. Die Coins existieren nur auf der Blockchain. Was die Wallet aufbewahrt, ist der Geheime Zahl, mit der Sie Transaktionen unterschreiben. Wer sie kennt, kann über die Coins verfügen. – und wer diesen Schlüssel kontrolliert, kontrolliert das Geld. Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht «welche App?», sondern «wer hält den Schlüssel: ich oder jemand anderes?».
In der Schweiz haben Sie dafür drei Möglichkeiten: Sie lassen eine Bank oder Börse verwahren, Sie nutzen eine Wallet-App auf dem Smartphone, oder Sie kaufen eine Hardware-Wallet. Diese Seite vergleicht die Varianten, nennt Preise in Franken, wo die Hersteller sie publizieren, und erklärt, wie Sie die Wiederherstellungswörter so lagern, dass weder Einbrecher noch ein Wasserschaden noch Ihre Erben ein Problem bekommen.
Verwahrt oder selbst verwahrt
Verwahrt heisst: Eine Bank oder Börse hält die Schlüssel, Sie sehen einen Saldo. Das ist bei PostFinance, den Kantonalbanken, Swissquote und den meisten Krypto-Apps so. Vorteile: Sie können kein Passwort endgültig verlieren, es gibt einen Kundendienst, und die Erben finden die Coins im Depotauszug. Nachteile: Der Anbieter kann Konten sperren, pleitegehen oder Auszahlungen einschränken. Bei PostFinance, der ZKB und der Zuger KB können Sie Coins gar nicht auf eine eigene Wallet senden, die LUKB verlangt CHF 80 pro Transfer, Swissquote USD 10 bis 15. Den Vergleich finden Sie unter Krypto-Banken in der Schweiz.
Selbst verwahrt heisst: Sie allein halten die Schlüssel, gesichert durch eine Liste aus meist 12 oder 24 Wörtern, aus der sich alle Schlüssel einer Wallet wiederherstellen lassen. Wer sie kennt, kontrolliert die Coins.. Niemand kann Ihre Coins einfrieren – aber auch niemand kann sie zurückholen, wenn Sie die Wörter verlieren oder einem Betrüger verraten. Seit dem DLT-Gesetz von 2021 sind Krypto-Werte bei einem Konkurs des Verwahrers zwar grundsätzlich aussonderbar; Yuh weist selbst darauf hin, dass dazu kaum Rechtsprechung existiert. Selbstverwahrung umgeht diese Frage ganz.
Hot Wallet oder Cold Wallet
Eine Wallet, deren Schlüssel auf einem Gerät mit Internetverbindung liegen, meist einer App auf dem Smartphone oder im Browser. ist eine App auf dem Handy oder eine Browser-Erweiterung. Sie ist bequem für Zahlungen, etwa per Lightning in Lugano, aber jedes Gerät mit Internet ist angreifbar. Eine Aufbewahrung der Schlüssel ohne Internetverbindung, etwa auf einer Hardware-Wallet; Transaktionen werden im Gerät signiert. hält die Schlüssel offline. Eine Hardware-Wallet signiert jede Transaktion intern, und Sie bestätigen sie auf dem eigenen Display.
Eine einfache Faustregel: So viel auf dem Handy, wie Sie auch im Portemonnaie herumtragen würden. Alles, dessen Verlust Ihnen schlaflose Nächte bereiten würde, gehört auf eine Hardware-Wallet.
Hardware-Wallets im Vergleich
| BitBox02 Nova | Trezor Safe 5 | Ledger Flex | Tangem | |
|---|---|---|---|---|
| Hersteller | Shift Crypto, Adliswil | Trezor, Prag | Ledger, Paris | Tangem AG, Zug |
| Preis | CHF-Preis nicht bestätigt | CHF 119 | USD 249 | ab USD 54.90 (2 Karten) |
| Bitcoin-only-Version | nicht bestätigt | |||
| Verbindung | USB-C, Bluetooth | USB-C | USB-C, Bluetooth | NFC mit dem Handy |
| Backup | microSD oder Wortliste | 20 Wörter, Multi-Share möglich | 24 Wörter | zweite und dritte Karte |
BitBox02 Nova (Shift Crypto, Adliswil)
Die BitBox ist die bekannteste Hardware-Wallet aus der Schweiz. Hersteller ist die Shift Crypto AG an der Soodmattenstrasse in Adliswil; das Datenblatt nennt die Schweiz als Ursprungsland. Das aktuelle Modell BitBox02 Nova gibt es als Bitcoin-only- und als Multi-Edition. Die Multi-Edition unterstützt Bitcoin, Ethereum mit ERC-20-Token und anderen EVM-Netzwerken, Cardano und Litecoin – nicht aber Solana, XRP oder Dogecoin. Gegenüber dem Vorgänger kamen Bluetooth und ein zertifizierter Sicherheitschip dazu; das Backup lässt sich auf eine microSD-Karte schreiben oder als Wortliste anzeigen. Firmware und BitBoxApp sind Open Source.
Den CHF-Preis konnten wir nicht bestätigen, weil der Shop für unsere Abfrage gesperrt war; deutsche Händler nennen für die Nova ab rund EUR 175. Mehr im BitBox-Test.
Trezor Safe 3, 5 und 7
Trezor aus Prag publiziert seine Preise im offiziellen Shop direkt in Franken: Safe 3 CHF 49, Safe 5 CHF 119, Safe 7 CHF 229. Alle drei gibt es als Universal- und als Bitcoin-only-Ausgabe, alle haben ein Secure Element mit EAL6+-Zertifizierung, der Safe 7 sogar zwei. Das Backup besteht standardmässig aus 20 Wörtern, ein Wechsel auf ein Multi-Share-Backup ist möglich. Die älteren Model One und Model T verkauft Trezor nicht mehr, Sicherheitsupdates soll es aber bis mindestens 2036 geben. Trezor rät ausdrücklich, nur im offiziellen Shop oder bei autorisierten Händlern zu kaufen (Trezor-Test).
Ledger: populär, aber mit Vorgeschichte
Ledger aus Paris ist der grösste Anbieter. Der offizielle Shop nennt Preise in US-Dollar: Nano S Plus USD 69, Nano X USD 99 (womöglich ein Aktionspreis, früher USD 149), Nano Gen5 USD 179, Flex USD 249, Stax USD 399. CHF-Preise konnten wir nicht bestätigen. Drei Ereignisse sollten Sie kennen:
- Datenleck 2020: Im Juni 2020 griffen Unbekannte auf die Marketing-Datenbank zu, rund eine Million E-Mail-Adressen waren betroffen. Im Dezember 2020 tauchte ein Datensatz mit Namen, Adressen und Telefonnummern von rund 272’000 Kunden in einem Hackerforum auf. Danach folgten Phishing-Wellen und sogar Drohungen gegen Kunden.
- Ledger Recover: Ein freiwilliges Abo, bei dem die Seed-Phrase verschlüsselt und in drei Teile gespalten bei Ledger, Coincover und EscrowTech liegt. Die Ankündigung im Mai 2023 löste heftige Kritik aus, weil damit klar wurde, dass eine Firmware die Wörter grundsätzlich aus dem Gerät holen kann.
- Manipulierte Geräte 2026: Im Oktober 2026 bestätigte Ledger ein Hardware-Implantat in Geräten des malaysischen Wiederverkäufers CryptoBilis. Ledgers eigene Kanäle waren nicht betroffen, doch der eingebaute Echtheitstest erkennt ein solches Implantat nicht. Medien schätzten den Schaden auf USD 86 bis 102 Millionen; Ledger hat keine Zahl bestätigt.
Die Konsequenz für Schweizer Käufer: Ledger nur auf ledger.com oder bei autorisierten Händlern kaufen, nie gebraucht. Mehr im Ledger-Test.
Tangem (Zug)
Die Tangem AG sitzt an der Baarerstrasse in Zug und verkauft Wallets im Kreditkartenformat: Sie halten die Karte ans Handy, die App kommuniziert per NFC. Ein Set mit zwei Karten kostet USD 54.90, mit drei Karten USD 69.90. Als Backup dienen die zusätzlichen Karten: Verlieren Sie eine, funktionieren die anderen weiter. Tangem schreibt selbst, dass das Unternehmen nur Hardware und Software ohne Verwahrung anbietet und nicht reguliert ist.
Wallet-Apps für den Alltag
Sie halten die privaten Schlüssel selbst; kein Anbieter kann Ihre Coins einfrieren oder darauf zugreifen. gibt es auch ohne Zusatzgerät, als App:
- Relai (Zürich, VQF): nur Bitcoin. Die App erzeugt eine Wallet mit 12 Wörtern, Relai hält Ihre Bitcoin nach eigenen Angaben nie. Gekauft wird ab CHF 50 für 1 Prozent (Relai-Test).
- Bridge Wallet (Mt Pelerin, Genf, SRO SO-FIT): rund 30 Token auf mehreren Netzwerken, Kauf per SIC-Überweisung in Franken oder bar am Postschalter mit QR-Rechnung (Mt-Pelerin-Test).
- Exodus: Multi-Coin-Wallet für Desktop und Handy, Schlüssel nur lokal verschlüsselt. Die Firma ist seit Dezember 2024 an der NYSE American kotiert; Tausch innerhalb der App ab 0,5 Prozent (Exodus-Test).
- Trust Wallet: Multi-Coin-App, gehört zu Binance. Im Dezember 2025 enthielt Version 2.68 der Chrome-Erweiterung Schadcode; rund USD 7 Millionen wurden gestohlen, Binance versprach Entschädigung.
- Phantom: Selbstverwahrung, bekannt vor allem als Wallet für Solana.
Der Fall Trust Wallet zeigt: Browser-Erweiterungen sind die verwundbarste Form. Grössere Beträge gehören nicht in eine Erweiterung.
Sie wissen jetzt, wohin die Coins sollen? Kaufen Sie online und senden Sie direkt auf Ihre eigene Wallet.
Seit 2013 am MarktGruppe registriert bei FinCEN (USA) und FCA (UK)
Seed-Phrase: die eigentliche Sicherheitsfrage
Die meisten Verluste entstehen nicht durch gehackte Hardware, sondern durch verlorene oder verratene Wiederherstellungswörter. Kein Hersteller, kein Support und keine Behörde fragt je nach diesen Wörtern. Wer danach fragt, ist ein Betrüger – typische Maschen beschreibt der Ratgeber Krypto-Betrug in der Schweiz.
- Wörter bei der Einrichtung von Hand auf Papier schreiben – nie fotografieren, nie in Cloud, E-Mail oder Notiz-App speichern
- Später auf eine Stahlplatte übertragen, die Brand und Wasser übersteht
- Zwei Kopien an zwei Orten, zum Beispiel zu Hause und im Bankschliessfach
- Wiederherstellung einmal mit kleinem Betrag testen, bevor grössere Summen fliessen
- Optional eine Passphrase als 25. Wort setzen – und separat von den Wörtern aufbewahren
- Wörter nie auf einer Website oder in einer App eintippen, die Sie per Link erreicht haben
- Hardware-Wallets nur neu und aus offiziellem Shop kaufen; vorausgefüllte Wortlisten sofort entsorgen
Das Bankschliessfach ist eine typisch schweizerische Lösung: Die Bank weiss nicht, was darin liegt, und Feuer oder Einbruch zu Hause betreffen nicht beide Kopien. Wer einen Teil auswärts lagert, kann auch ein Multi-Share-Backup nutzen, wie es Trezor anbietet: Dann reicht ein einzelner Teil nicht aus, um an die Coins zu kommen.
Travel Rule: warum die Börse Ihre Wallet prüft
Mit der Aufsichtsmitteilung 02/2019 hat die FINMA die Regel, wonach bei Überweisungen Angaben zu Absender und Empfänger mitgeschickt werden müssen – auch bei Krypto. auf Krypto angewendet, ohne Ausnahme für private Wallets. Ein Schweizer Anbieter darf Coins nur an externe Wallets senden, die seinen eigenen, identifizierten Kunden gehören. In der Praxis müssen Sie beim ersten Abheben auf Ihre Hardware-Wallet nachweisen, dass die Adresse Ihnen gehört: per signierter Nachricht, Testbetrag oder Bestätigung im Konto. Direkt an die Wallet eines Freundes zu senden, klappt je nach Anbieter nicht. Hintergründe im Ratgeber FINMA und Krypto-Regulierung.
Erbe und Notfallplan
Ohne Plan sind selbst verwahrte Coins im Todesfall oft verloren. Ein Testament ist dafür das falsche Versteck: Nach Art. 558 ZGB erhalten alle am Nachlass Beteiligten eine Abschrift der eröffneten Verfügung. Halten Sie im Testament deshalb nur fest, dass Krypto existiert und wo eine Anleitung liegt.
Die Anleitung selbst beschreibt in einfachen Worten, welche Wallet Sie nutzen, wo Gerät und Wörter liegen und wie man Coins verkauft. Ein Bankschliessfach öffnen Erben in der Regel erst mit einer Erbbescheinigung – das ist ein Vorteil, kein Nachteil. Vergessen Sie auch die Steuer nicht: Selbst verwahrte Coins gehören per 31. Dezember ins Wertschriftenverzeichnis (Krypto-Steuern in der Schweiz).
Welche Lösung passt zu wem
- Einsteiger mit wenigen hundert Franken: eine App mit Selbstverwahrung wie Relai oder Bridge Wallet – oder bewusst die Bank, wenn Sie keine Wörter verwalten wollen.
- Sparer mit vierstelligen Beträgen und mehr: eine Hardware-Wallet aus offiziellem Shop, dazu Seed auf Stahl an zwei Orten.
- Nur Bitcoin: eine Bitcoin-only-Edition von BitBox oder Trezor; weniger Funktionen heisst weniger Angriffsfläche.
- Viele Coins und DeFi: Multi-Edition plus Software-Wallet, aber nur mit Bestätigung auf dem Gerät.
Welche Variante Sie auch wählen: Machen Sie die Probe aufs Exempel, bevor Sie viel Geld bewegen, und schreiben Sie auf, was Ihre Familie wissen muss.