«Krypto-Karte» klingt nach einer Sache, meint aber mindestens drei. Erstens Debit- oder Prepaid-Karten von Visa oder Mastercard, mit denen Sie Krypto-Guthaben im Laden ausgeben. Zweitens Gutscheinkarten, die am Kiosk oder bei Coop verkauft werden und mit denen Sie Bitcoin kaufen – nicht bezahlen. Und drittens Ihre gewöhnliche Bank- oder Kreditkarte, mit der Sie Krypto online erwerben; wie das geht und was es kostet, erklärt der Ratgeber Krypto mit Kreditkarte kaufen.
Diese Seite behandelt die ersten beiden. Sie zeigt, welche Karten Sie mit Wohnsitz in der Schweiz tatsächlich bekommen, was eine Zahlung in Franken kostet und wo die Angaben der Anbieter für die Schweiz lückenhaft sind.
So funktioniert eine Krypto-Karte
Eine Krypto-Karte ist technisch eine normale Visa- oder Mastercard, ausgegeben von einem E-Geld-Institut. Bei der SwissBorg-Karte ist das die UAB Monavate, beaufsichtigt von der Bank von Litauen. Wenn Sie an der Kasse bezahlen, verkauft der Anbieter in Echtzeit den nötigen Teil Ihrer Coins, und der Händler erhält wie immer Franken oder Euro. Niemand an der Migros-Kasse nimmt also Bitcoin entgegen; Sie verkaufen bei jedem Kaffee ein kleines Stück davon.
Daraus folgen drei Kostenquellen: die Gebühr oder der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Sie ist oft nicht separat ausgewiesen, sondern im Kurs eingerechnet. beim Umtausch, allfällige Währungsgebühren, wenn Kartenwährung und Ladenwährung nicht übereinstimmen, und Abo- oder Sperrkosten für bessere Kartenstufen. Als Lockmittel dient fast immer Rückvergütung eines Teils des Kaufbetrags oder der Gebühr – bei Krypto-Karten meist im eigenen Token des Anbieters. im hauseigenen Token: BORG bei SwissBorg, CRO bei Crypto.com, NEXO bei Nexo.
Eine Sonderform sind Karten mit Kreditfunktion: Nexo lässt die Karte auch im Kreditmodus laufen, dann leihen Sie gegen Ihre Coins als Sicherheit, statt sie zu verkaufen. Wie bei jedem Kredit gegen hinterlegte Wertschriften oder Coins. Fällt deren Wert stark, muss nachgeschossen oder verkauft werden. kann ein Kurssturz dann zum Zwangsverkauf führen.
Welche Karten Schweizer bekommen
| SwissBorg Card | Crypto.com Prepaid | Nexo Card | Cryptonow-Gutschein | |
|---|---|---|---|---|
| Art | virtuelle Mastercard | Prepaid-Visa | Debit- und Kreditmodus | Gutschein, keine Zahlkarte |
| Wohnsitz CH | unklar | |||
| Währung | CHF | Konto in EUR | nicht bestätigt | CHF-Betrag in BTC |
| Kosten | 0,99 % pro Zahlung | Abo oder CRO-Sperre (EWR-Tarif) | Karte gratis, FX 0,2–0,7 % | CHF 1 + 6,9 % (Test 2021) |
| Bargeld am Automaten | für CH nicht bestätigt | bis EUR 2’000 pro Monat gratis | ||
| Belohnung | bis 99 % der Gebühr in BORG | bis 4,5 % in CRO (EWR) | 0,5–2 % in NEXO | keine |
SwissBorg Card
Die SwissBorg-Karte ist die einzige uns bekannte Krypto-Karte, die Schweizer Kunden ausdrücklich in Franken führt: Laut Kartenreglement erhalten Personen mit Wohnsitz in der Schweiz CHF als Basiswährung, und die lässt sich nachträglich nicht ändern. Voraussetzung ist die Identitätsprüfung auf Stufe 2 mit Ausweis und Adressnachweis. Vertragspartner ist für Schweizer Kunden die französische BlockNodes SAS, die eine MiCA-Bewilligung der französischen Finanzaufsicht AMF hat; die Karte selbst gibt Monavate aus.
Zum Start gibt es die Karte nur virtuell – für Apple Pay, Google Pay und Online-Käufe. Eine physische Karte stellt SwissBorg «je nach Nachfrage» gegen Gebühr in Aussicht. Bargeld am Automaten ist nicht möglich. Jede Zahlung ist ein Umtausch zum Satz von 0,99 Prozent gemäss aktueller Preisliste; je nach Rang fliessen 5 bis 99 Prozent dieser Gebühr als BORG zurück, die eine Zeit lang gesperrt bleiben. Für Zahlungen in Fremdwährung gilt der Mastercard-Kurs, einen eigenen FX-Zuschlag erhebt SwissBorg nach eigenen Angaben nicht.
Achten Sie auf den Weg, wie das Geld in die App kommt: Franken nimmt SwissBorg nur per SWIFT entgegen, nicht per SIC, und Aufladungen per Karte, Apple Pay oder Google Pay kosten für Schweizer Kunden 4,5 Prozent im Standardrang. Mehr im SwissBorg-Test.
Crypto.com Prepaid-Visa
Crypto.com führt die Schweiz in einem Hilfeartikel unter den Ländern, in die die Prepaid-Visa verschickt wird. Der Haken: Schweizer Kundinnen und Kunden erhalten bei Crypto.com ein Konto in Euro, Franken gibt es nicht. Wer in der Schweiz mit einer Euro-Karte bezahlt, wechselt bei jedem Einkauf zurück in Franken – zu welchen Kosten, konnten wir für die Schweiz nicht bestätigen.
Die Kartenstufen sind im EWR-Tarif an Abos oder gesperrte CRO-Token geknüpft: Die einfachste Stufe ist gratis und ohne CRO-Belohnung, die nächste kostet EUR 3.99 pro Monat oder EUR 450 in CRO für zwölf Monate gesperrt und bringt 1,5 Prozent, bis zur höchsten Stufe mit EUR 450’000 Sperre und 4,5 Prozent. Ob diese Tabelle für Schweizer Kunden identisch gilt, steht nicht auf der Website. Crypto Earn ist für Personen mit Wohnsitz in der Schweiz ausdrücklich ausgeschlossen. Mehr im Crypto.com-Test.
Nexo Card
Bei Nexo bleibt die Lage unscharf. Die offizielle FAQ spricht von «ausgewählten europäischen Ländern» inklusive EWR und Grossbritannien sowie «anderen berechtigten Ländern in Europa». In der Gebührentabelle steht die Schweiz aber ausdrücklich: Fremdwährungszahlungen kosten für EWR, UK und CH werktags 0,2 und am Wochenende 0,7 Prozent. Medien berichteten im Februar 2025 über die Einführung in der Schweiz. Prüfen Sie die Verfügbarkeit in der App, bevor Sie Geld überweisen.
Die virtuelle Karte ist gratis, Nexo verlangt dafür ein Guthaben von mindestens USD 50; die physische Karte gibt es ab der Gold-Stufe und USD 5’000 Portfolio. Das Cashback reicht von 0,5 Prozent in NEXO (oder 0,1 Prozent in Bitcoin) bis 2 Prozent in NEXO (oder 0,5 Prozent in Bitcoin) in der höchsten Stufe. Bis EUR 2’000 pro Monat sind Bargeldbezüge gratis, danach 2 Prozent.
Nicht verfügbar oder unklar
- Bitpanda Card: Laut Bitpanda nur für Personen mit Wohnsitz im Euroraum – also nicht für die Schweiz, auch wenn Vergleichsportale anderes behaupten. Zur Plattform selbst: Bitpanda-Test.
- Coinbase Card: Die Kartenbedingungen gelten für Einwohner des EWR; eine Schweizer Variante haben wir nicht gefunden (Coinbase-Test).
- Binance Card: Das europäische Programm endete im Dezember 2023; Binance hat zudem keine FINMA-Bewilligung (Binance-Test).
- Wirex, Plutus, Tangem Pay: Schweizer Verfügbarkeit nicht bestätigt.
- Gnosis Pay, Fiat24: Laut einem Vergleich von CoinGecko für die Schweiz verfügbar; Gnosis Pay arbeitet ohne Franken. Von uns nicht direkt geprüft.
- AMINA Bank: bietet Kreditkarten, aber nur für professionelle Kunden mit mindestens CHF 500’000 Vermögen.
Und die Karten von Swissquote oder Yuh? Das sind normale Debitkarten. Krypto müssen Sie dort zuerst in der App verkaufen, bevor Sie den Betrag ausgeben können.
Was eine Zahlung wirklich kostet
Ein Beispiel mit einem Abendessen für CHF 100 in Zürich. Mit der SwissBorg-Karte verkaufen Sie Krypto für CHF 100 und zahlen CHF 0.99 Umtauschgebühr. Im Standardrang kommen davon 5 Prozent, also rund 5 Rappen, als gesperrte BORG zurück. Ein Währungswechsel fällt nicht an, weil Karte und Rechnung in Franken sind.
Mit einer Karte, die in Euro geführt wird, sieht es anders aus: Krypto wird in Euro getauscht und der Euro-Betrag dann für die Franken-Rechnung umgerechnet. Dazu kommt, was es kostet, überhaupt Geld auf die Plattform zu bringen – bei SwissBorg etwa 4,5 Prozent für eine Kartenaufladung oder die SWIFT-Gebühr Ihrer Bank. Wer nur ab und zu zahlen will, fährt oft günstiger, wenn er Coins gezielt verkauft und den Erlös aufs Bankkonto holt (Krypto auszahlen in der Schweiz).
Die «Bitcoin-Karte» vom Kiosk ist ein Gutschein
Auf Französisch heisst das Suchwort oft «carte bitcoin», auf Deutsch «Bitcoin-Karte Kiosk» – gemeint sind fast immer die Gutscheinkarten von Cryptonow. Sie werden von der Värdex Suisse AG vertrieben, die nach eigenen Angaben auch über 80 Krypto-Automaten betreibt. Coop verkauft seit Dezember 2023 Karten für Bitcoin und Ether zwischen CHF 50 und 500 in 160 Filialen; früher gab es sie auch an Kiosken von Valora und in Tankstellenshops. Laut Medienberichten verkaufen einzelne Online-Händler die Gutscheine auch gegen TWINT.
So funktioniert es: Sie bezahlen den Betrag an der Kasse, aktivieren den Gutschein online mit der Wallet-Kennung, dem freigerubbelten PIN und einem SMS-Code und erhalten Bitcoin. Ein Test des Portals finanzdepot.ch von 2021 nannte CHF 1 Aktivierungsgebühr plus 6,9 Prozent Kommission. Zurückverkaufen können Sie über Cryptonow nicht, zur Gültigkeit widersprechen sich die Angaben der Händler (12 Monate oder 10 Jahre). Värdex schreibt selbst, dass sie nicht von der FINMA beaufsichtigt wird und der Gutscheinbetrag nicht von der Einlagensicherung gedeckt ist. Aktuelle Preise konnten wir nicht prüfen. Weitere Bargeld-Wege zeigen die Ratgeber Bitcoin mit Bargeld kaufen und Bitcoin-Automaten in der Schweiz.
Zuerst brauchen Sie Coins – am einfachsten online per Überweisung von Ihrem Schweizer Konto.
Seit 2013 am MarktGruppe registriert bei FinCEN (USA) und FCA (UK)
Steuern: Jede Kartenzahlung ist ein Verkauf
Weil die Karte bei jeder Zahlung Krypto verkauft, entsteht jedes Mal ein Kursgewinn oder -verlust. Für Privatanleger ist das in der Schweiz meist unproblematisch: Kapitalgewinne auf privatem Vermögen sind steuerfrei, Verluste allerdings auch nicht abziehbar. Steuerbar bleibt das Vermögen über die Jährliche kantonale Steuer auf dem Nettovermögen per 31. Dezember – Kryptowährungen zählen dazu.: Den Bestand per 31. Dezember deklarieren Sie im Wertschriftenverzeichnis zum Kurs der ESTV-Kursliste.
Bewahren Sie die Kartenauszüge trotzdem auf. SwissBorg weist jede Zahlung im Konto wie einen Trade aus, und die Steuerverwaltung kann bei sehr vielen Transaktionen fragen, ob Sie als gewerbsmässiger Händler gelten. Ob Cashback in BORG oder CRO als Einkommen zu versteuern ist, haben wir in keiner offiziellen Weisung geregelt gefunden – im Zweifel deklarieren Sie es und fragen beim kantonalen Steueramt nach. Die Grundlagen stehen im Ratgeber Krypto-Steuern in der Schweiz.
Checkliste vor dem Antrag
- Steht die Schweiz ausdrücklich in den Bedingungen der Karte, nicht nur auf einem Vergleichsportal?
- In welcher Währung läuft die Karte – CHF oder EUR?
- Wie hoch ist die Gebühr pro Umtausch, und wird sie im Kurs versteckt?
- Wie kommt Geld auf die Plattform: SIC, SWIFT oder Karte – und was kostet das?
- Verlangt die bessere Kartenstufe ein Abo oder gesperrte Token?
- Wer gibt die Karte aus, und welche Aufsicht gilt? E-Geld ist nicht durch die Schweizer Einlagensicherung gedeckt.
Eine Krypto-Karte ist ein Werkzeug, um Krypto auszugeben, kein Sparprodukt. Wer Bitcoin langfristig halten will, ist mit einer eigenen Wallet besser bedient (Krypto-Wallets in der Schweiz).