Die SBB verkauft Bitcoin am Billettautomaten seit November 2016. Das Prinzip ist seither erstaunlich gleich geblieben: Sie wählen einen Betrag zwischen CHF 20 und 500, bezahlen bar oder mit Karte, und der Automat druckt ein Stück Papier mit Ihren Coins aus. Dahinter steht nicht die SBB selbst, sondern die SweePay AG in Zug, ein Finanzintermediär und Mitglied der Selbstregulierungsorganisation PolyReg. Die SBB stellt nur ihre Automaten zur Verfügung.
Was der Automat nicht verrät: wie viel Sie für den Komfort bezahlen. Diese Seite zeigt den Ablauf Schritt für Schritt, rechnet die Kosten nach und erklärt, was Sie mit dem Ausdruck anfangen – denn der eigentliche Teil der Arbeit beginnt erst, wenn Sie das Papier in der Hand halten.
So kaufen Sie Bitcoin am Billettautomaten
Der Kauf dauert etwa zwei Minuten und funktioniert laut SBB an allen SBB-Billettautomaten rund um die Uhr, in der Halle von Zürich HB ebenso wie an kleinen Bahnhöfen. Automaten anderer Bahnen haben wir nicht geprüft. Sie brauchen ein Handy mit Schweizer Nummer und entweder Noten, eine PostFinance Card oder eine Maestro-Karte.
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Menü öffnen
Auf dem Startbildschirm «Prepaid / Zahlungsverkehr» antippen, dann «Crypto Paper Wallet» wählen.
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Coin und Betrag wählen
Bitcoin oder Ethereum auswählen und einen Betrag zwischen CHF 20 und 500 eingeben. Mit «weiter» bestätigen.
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Handynummer eingeben
Die Nummer muss von einem Schweizer Mobilfunkanbieter stammen. Per SMS kommt ein Sicherheitscode (mTAN).
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Code eingeben und Angebot prüfen
Nach dem mTAN sehen Sie, wie viel Bitcoin oder Ether Sie für Ihren Betrag erhalten. Jetzt ist der Moment, den Kurs zu vergleichen – nach dem Bezahlen ist der Kauf endgültig.
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Bezahlen
Bar, mit PostFinance Card oder mit Maestro. Bargeld ist auf CHF 500 pro Tag begrenzt, mit Karte sind bis CHF 1000 pro Tag möglich.
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Paper Wallet entnehmen
Der Automat druckt die Paper Wallet aus. Sofort sicher verstauen, nicht fotografieren und nicht offen herumliegen lassen.
Was genau auf dem Ausdruck steht, beschreibt die SBB nicht im Detail. Eine Ein Blatt Papier mit einer Empfangsadresse und dem dazugehörigen privaten Schlüssel. Wer das Papier besitzt, besitzt die Coins. enthält üblicherweise zwei Dinge: die öffentliche Adresse, an der die Coins liegen, und den Eine lange Zeichenfolge, mit der man über Coins verfügt. Wer sie kennt, kann das Guthaben ausgeben – sie ist Passwort und Tresorschlüssel zugleich., beide meist auch als QR-Code. Laut den Nutzungsbedingungen gehören Ihnen die Coins ab dem Ausdruck; Sie können das Papier aufbewahren oder das gesamte Guthaben in eine andere Wallet übertragen. Eine Rückgabe oder ein Umtausch ist ausgeschlossen.
Limiten: wie viel Sie kaufen dürfen
Die Grenzen stehen nicht auf der Produktseite der SBB, sondern in den «ANB Crypto Paper Wallets» von SweePay. Sie sind strenger, als der Betrag von CHF 500 pro Kauf vermuten lässt:
| Limite | |
|---|---|
| Pro Kauf | CHF 20 bis 500 |
| Bargeld pro Tag | max. CHF 500 |
| Bankkarte pro Tag | max. CHF 1000 |
| Total pro Tag, alle Zahlungsmittel | max. CHF 1000 |
| Bargeld innerhalb von 30 Tagen | max. CHF 1000 |
| Mindestalter | 18 Jahre |
Der Grund für die Bargeld-Grenze liegt in der Geldwäschereiverordnung der FINMA. Seit 2021 müssen Finanzintermediäre ihre Kundschaft identifizieren, sobald Wechselgeschäfte mit Kryptowährungen CHF 1000 erreichen – und zusammenhängende Käufe werden über 30 Tage addiert. Wer ohne Ausweis verkaufen will, muss also unter dieser Schwelle bleiben. Die Handynummer ist dabei das Bindeglied, über das SweePay Ihre Käufe zusammenzählt. Zusätzlich behält sich SweePay vor, den Zugang «nach eigenem Ermessen und ohne Vorankündigung» zu sperren. Wie die Schweizer Krypto-Aufsicht grundsätzlich funktioniert, erklärt unsere Seite zur FINMA-Regulierung.
Anonym ist der Kauf trotzdem nicht. Schweizer SIM-Karten, auch Prepaid-Karten, werden nur gegen Ausweis registriert, und Bahnhöfe sind videoüberwacht. Richtig ist nur: Sie brauchen kein Konto und keine Kopie Ihrer ID. Für Touristen ohne Schweizer Nummer ist der Weg verschlossen.
Was kostet Bitcoin am SBB-Automaten?
Hier wird es unbequem. Die SBB nennt auf ihrer Produktseite keine Gebühr, nur den Hinweis «Preis- und Angebotsänderungen vorbehalten». In den Bedingungen steht, dass SweePay einen Wechselkurs plus eine Wechselgebühr verrechnet, die Sie vor dem Kauf akzeptieren, und dass alle Preise Endpreise sind. Einen Prozentsatz nennt SweePay nirgends. Die Gebühr steckt also im Differenz zwischen dem Marktkurs und dem Kurs, zu dem Sie tatsächlich kaufen. Sie ist eine Gebühr, die nicht als solche ausgewiesen wird. – Sie sehen sie nur, wenn Sie nachrechnen.
Eine Zahl gibt es von der Konkurrenz: Mt Pelerin schreibt in einem eigenen Blogbeitrag, die SBB-Paper-Wallet koste «mindestens 6 %» und je nach Betrag bis zu 14 %. Das ist die Aussage eines Mitbewerbers, die wir nicht unabhängig überprüfen konnten. Als Grössenordnung ist sie trotzdem nützlich, denn sie deckt sich mit dem, was Bargeld-Automaten in der Schweiz generell kosten.
Zu den Kosten am Automaten kommt später noch die Gebühr an das Bitcoin- oder Ethereum-Netzwerk für eine Überweisung. Sie hängt von der Auslastung ab, nicht vom Betrag., wenn Sie das Guthaben in Ihre eigene Wallet übertragen. Bei Bitcoin sind das in ruhigen Zeiten Rappenbeträge, bei hoher Auslastung deutlich mehr. Bei einer Paper Wallet über CHF 20 kann sie spürbar ins Gewicht fallen.
Die Paper Wallet einlösen: Coins in die eigene Wallet holen
«Einlösen» im Sinne eines Gutscheincodes gibt es nicht. Die Coins liegen bereits auf der Blockchain, an der Adresse auf Ihrem Papier. Was Sie tun müssen: das Guthaben mit dem privaten Schlüssel an eine Adresse übertragen, die Sie selbst kontrollieren. Diesen Vorgang nennt man Englisch für «auskehren»: Eine Wallet-App liest einen fremden privaten Schlüssel ein und überweist das ganze Guthaben an eine eigene Adresse..
Bitcoin: Sie brauchen eine Wallet-App mit Sweep-Funktion. In der Desktop-Wallet Electrum heisst sie «Wallet → Private Keys → Sweep»; Sie scannen oder tippen den privaten Schlüssel ein, das Zielfeld zeigt bereits eine Adresse Ihrer Wallet, dann wählen Sie die Netzwerkgebühr und senden. Wichtig ist der Unterschied zwischen Sweep und Import: Beim Import bleibt der Schlüssel des Papiers in der App gespeichert, die Coins gehören dann zu einem Schlüssel, den es auch auf Papier gibt. Beim Sweep landen sie an einer Adresse, die Ihre eigene Wiederherstellungsphrase absichert. Sweepen ist deshalb die sauberere Lösung.
Ether: Viele Ethereum-Wallets bieten keine Sweep-Funktion, aber «Konto importieren» mit einem privaten Schlüssel, etwa MetaMask. Danach senden Sie das gesamte Guthaben an Ihr Hauptkonto in derselben Wallet. Die Netzwerkgebühr wird in Ether vom Guthaben abgezogen.
Übertragen Sie immer das gesamte Guthaben, wie es auch die SweePay-Bedingungen nahelegen. Danach ist die Paper Wallet leer und das Papier wertlos. Welche Wallet für Sie passt – App, Desktop oder Hardware-Gerät –, vergleichen wir unter Krypto-Wallets in der Schweiz.
Wie sicher ist eine Paper Wallet?
Eine Paper Wallet ist so sicher wie der Ort, an dem sie liegt. Sie ist nie mit dem Internet verbunden, solange niemand den Schlüssel abtippt oder fotografiert. Das ist ihre Stärke. Ihre Schwächen sind banaler: Papier geht verloren, wird nass, verblasst. Ausdrucke aus Automaten sind oft Thermopapier, das mit der Zeit unleserlich wird; die SweePay-Bedingungen empfehlen ausdrücklich eine Fotokopie, die Sie unbeobachtet anfertigen.
- Paper Wallet sofort einstecken, nicht am Automaten liegen lassen oder offen ins Portemonnaie stecken.
- Keine Fotos vom privaten Schlüssel – Cloud-Backups von Handyfotos sind ein bekanntes Einfallstor.
- Eine Kopie anfertigen und getrennt vom Original aufbewahren, solange Sie das Guthaben nicht übertragen haben.
- Für längeres Aufbewahren lieber in eine eigene Wallet sweepen, statt auf verblassendes Thermopapier zu vertrauen.
- Den privaten Schlüssel nie in eine App eingeben, die Ihnen jemand per Telefon oder Chat empfiehlt.
- Niemand Seriöses – keine Bank, keine Polizei, kein Support – verlangt ein Foto Ihrer Paper Wallet.
Der letzte Punkt ist kein theoretischer. Betrüger schicken Opfer gezielt an Automaten, lassen sie Bargeld einzahlen und fordern dann ein Foto des Ausdrucks. Wer so etwas erlebt, bricht ab und meldet es der Polizei. Die gängigen Maschen beschreiben wir unter Krypto-Betrug in der Schweiz.
Verkaufen geht am SBB-Automaten nicht
Der Billettautomat ist eine Einbahnstrasse: Er verkauft Bitcoin und Ether, kauft aber nichts zurück. Wer später wieder Franken möchte, hat zwei Wege. Entweder sendet er die Coins an eine Börse und lässt sich den Erlös aufs Bankkonto überweisen, oder er nutzt einen Bitcoin-Automaten mit Ankauf. Värdex zahlt Bitcoin-Verkäufe an seinen Automaten in 100-Franken-Noten aus; Ether kauft Värdex laut eigener Website nicht an. Die Wege im Detail: Krypto in der Schweiz auszahlen.
Alternativen am selben Automaten und anderswo
Es gibt einen zweiten, weniger bekannten Krypto-Weg über denselben Billettautomaten. Die Genfer Firma Mt Pelerin erstellt in ihrer Bridge Wallet eine QR-Rechnung, die Sie am Automaten unter «Prepaid / Zahlungsverkehr» und dann «Bezahlen» (nicht «Crypto Paper Wallet») einscannen und mit Franken- oder Euro-Noten begleichen. Die Coins gehen direkt an Ihre eigene Wallet, ein Ausdruck entfällt. Laut Mt Pelerin verlangt der Automat dafür eine Bearbeitungsgebühr von 1,25 %, mindestens CHF 2.50 und höchstens CHF 5, pro QR-Rechnung sind maximal CHF 600 möglich. Mt Pelerin selbst nimmt je nach Jahresvolumen 0 bis 1,3 %. Ohne Identifikation sind CHF 999 pro 30 Tage erlaubt. Die Coins kommen nicht sofort, sondern meist am nächsten Geschäftstag. Dieselbe QR-Rechnung lässt sich auch bar am Postschalter bezahlen – mehr dazu im Test von Mt Pelerin.
| SBB Paper Wallet | QR-Rechnung am SBB-Automaten | Värdex-Automat | |
|---|---|---|---|
| Betrag | CHF 20–500 | bis CHF 600 pro Rechnung | ab CHF 50 |
| Coins | BTC, ETH | BTC und rund 30 weitere | BTC, ETH |
| Kosten | nicht publiziert | 1,25 % (max. CHF 5) plus 0–1,3 % | 11 % plus CHF 4 (Hilfecenter) |
| Coins landen | auf Papier | in Ihrer Bridge Wallet | auf Papier |
| Verkauf möglich |
Für mehr als ein paar hundert Franken ist keiner dieser Wege ideal. Wer ein Bankkonto hat, kauft online per Überweisung meist für einen Bruchteil der Kosten; wie das geht, steht unter Bitcoin kaufen in der Schweiz. Alle Bargeld-Wege inklusive Kiosk-Gutscheinen und Wechselstuben vergleichen wir unter Bitcoin mit Bargeld kaufen, die Krypto-Automaten mit Standorten unter Bitcoin-Automaten in der Schweiz.
Grössere Beträge, tiefere Kosten: Online kaufen Sie mit Ausweis und Banküberweisung statt mit Noten am Bahnhof.
Seit 2013 am MarktGruppe registriert bei FinCEN (USA) und FCA (UK)
Von der Pilotphase zum Dauerangebot
Ein Blick zurück zeigt, wie wenig sich am Grundprinzip geändert hat:
- 2016
Ab November verkauft die SweePay AG über mehr als 1000 SBB-Billettautomaten Bitcoin, höchstens CHF 500 pro Transaktion. Identifiziert wird per Handynummer. Bezahlen kann man Billette mit Bitcoin nicht.
- 2018
Nach der Pilotphase macht die SBB das Angebot im November definitiv. Laut Netzwoche nutzen es rund 6000 Kundinnen und Kunden, etwa 3000 davon regelmässig, an rund 2300 Automaten.
- 2025
SweePay aktualisiert im Juni die Nutzungsbedingungen: CHF 500 bar pro Tag, CHF 1000 total pro Tag, CHF 1000 bar pro 30 Tage.
- Heute
Bitcoin und Ether als Paper Wallet für CHF 20 bis 500 an allen SBB-Billettautomaten, rund um die Uhr.
Wann Ether dazukam und seit wann der Automat eine Paper Wallet ausdruckt, konnten wir nicht verlässlich datieren. Klar ist: Das Angebot hat Kursstürze und Regulierungswellen überstanden. Für einen ersten Kauf von CHF 20 ohne Konto ist es nach wie vor einer der einfachsten Einstiege in der Schweiz – solange Sie wissen, dass Sie dafür einen deutlichen Aufpreis zahlen, und die Paper Wallet nicht in der Schublade vergessen. Wie Sie danach mit Ethereum oder Bitcoin weitermachen und was steuerlich gilt, erklären unsere Ratgeber.