Wer in der Schweiz mit dem Handy bezahlt, bezahlt meistens mit TWINT – das Zugbillett, den Kaffee, die Hälfte des Restaurantbesuchs unter Freunden. Da liegt die Frage nahe, warum man damit nicht auch Bitcoin kaufen kann. Die kurze Antwort: Man kann es kaum. Keine Krypto-Börse, keine Krypto-App und keine Bank, die wir geprüft haben, nimmt TWINT als Zahlungsmittel für einen Krypto-Kauf.
Zwei Umwege funktionieren: der Kauf von Privatpersonen über einen Peer-to-Peer: Privatpersonen handeln direkt miteinander. Die Plattform vermittelt nur, das Geld fliesst vom Käufer direkt zum Verkäufer.-Marktplatz und Bitcoin-Gutscheine, die einzelne Online-Händler gegen TWINT verkaufen. Beide haben Haken. Diese Seite zeigt, wie sie funktionieren, was sie kosten und warum eine gewöhnliche Überweisung in Franken fast immer der bessere Weg ist.
Wer TWINT für Krypto akzeptiert – und wer nicht
Für diese Seite haben wir die Zahlungsseiten, Preislisten und Hilfecenter von 16 Anbietern durchgesehen, die Kundschaft aus der Schweiz bedienen. Bei keinem taucht TWINT als Einzahlungs- oder Zahlungsmethode für Krypto auf:
- Internationale Börsen und Apps: Kraken, SwissBorg, Bitpanda, Coinbase, Crypto.com, CEX.IO, Binance (Spot-Handel), YouHodler
- Schweizer Bitcoin- und Krypto-Apps: Relai, Pocket Bitcoin, DFX.swiss, Mt Pelerin mit der Bridge Wallet
- Banken und Neobanken: PostFinance, Swissquote, Yuh, Revolut
Bei PostFinance und Yuh hängt TWINT zwar am selben Konto, von dem aus Sie dort auch Krypto kaufen. Der Kauf selbst läuft aber über das Kontoguthaben, nicht über TWINT. Revolut bietet TWINT in der Schweiz gar nicht an; laut Medienberichten zum Bankenlizenz-Gesuch ist es «in Prüfung». Und Bitpanda nimmt für Franken nicht TWINT, sondern PostFinance Pay.
Wer im Netz auf Seiten stösst, die «Krypto mit TWINT» versprechen, findet bei genauerem Hinsehen fast immer eines von drei Dingen: einen P2P-Marktplatz, einen Gutschein-Händler – oder eine allgemeine Liste beliebter Zahlungsmittel, ohne dass ein einziger Anbieter genannt wird, der TWINT tatsächlich akzeptiert.
Warum Krypto-Anbieter auf TWINT verzichten
TWINT hat keine Begründung veröffentlicht, und eine Händlerbedingung, die Krypto ausdrücklich ausschliesst, haben wir nicht gefunden. Die Gründe ergeben sich aber aus der Logik des Zahlungsverkehrs.
Bitcoin ist endgültig, Zahlungen sind es nicht immer. Eine Bitcoin-Transaktion lässt sich nicht rückgängig machen. Zahlungsmittel für den Handel – Karten ebenso wie Bezahl-Apps – kennen dagegen Regeln für Streitfälle, Rückforderungen und Betrugsabklärungen. Stammt eine Zahlung von einem gehackten Konto und wird später zurückgeholt, sind die Coins längst weg. Dieses Risiko lassen sich Krypto-Anbieter teuer bezahlen: Bei SwissBorg kosten Karten-Einzahlungen für Kundschaft aus der Schweiz 4,5 Prozent, bei Mt Pelerin je nach Betrag 2,5 bis 3,8 Prozent.
Geldwäscherei-Regeln. Wer in der Schweiz gewerbsmässig Krypto gegen Franken tauscht, untersteht dem Geldwäschereigesetz. Ab CHF 1’000 innert 30 Tagen muss der Anbieter Sie identifizieren, und er muss nachvollziehen können, woher das Geld stammt. Eine Know Your Customer: Identitätsprüfung mit Ausweis und meist einem Selfie oder Video, bevor Sie handeln dürfen.-geprüfte Überweisung von einem Konto auf Ihren Namen liefert diesen Nachweis gleich mit. Kraken etwa nimmt Bankeinzahlungen nur von Konten an, die auf den eigenen Namen lauten.
Die Kosten. Händler zahlen für TWINT-Zahlungen eine Gebühr. Bei Krypto-Käufen, wo Anbieter um Zehntelprozente konkurrieren, ist die Banküberweisung für beide Seiten schlicht billiger.
Weg 1: Peach Bitcoin – Bitcoin von Privatpersonen, bezahlt per TWINT
Peach Bitcoin ist ein Marktplatz, auf dem Privatpersonen untereinander Bitcoin handeln. Betreiberin ist die Peach Sàrl mit Sitz in Neuenburg, angeschlossen an die Selbstregulierungsorganisation PolyReg. Auf ihrer Liste der Franken-Zahlungsmittel steht neben Banküberweisung, Revolut und Wise auch TWINT.
Das Entscheidende: Sie bezahlen nicht Peach, sondern direkt die Person, die Ihnen Bitcoin verkauft. Peach vermittelt, blockiert die Bitcoin des Verkäufers in einem Treuhand-Mechanismus: Die Coins des Verkäufers werden gesperrt und erst freigegeben, wenn der Käufer bezahlt hat. und schlichtet bei Streit. Die Bitcoin landen in der Wallet der Peach-App, die Sie selbst verwahren – Peach hat keinen Zugriff darauf.
-
App einrichten
Peach Bitcoin installieren, Wallet erstellen und die Wiederherstellungswörter auf Papier notieren. Danach TWINT als Zahlungsmittel hinterlegen.
-
Angebot wählen
Ein Kaufangebot erstellen oder ein Verkaufsangebot annehmen. Achten Sie auf den Preis: Verkäufer legen ihren Aufschlag auf den Marktkurs selbst fest.
-
Escrow abwarten
Erst wenn die Bitcoin des Verkäufers im Escrow liegen, wird bezahlt – nie vorher.
-
Per TWINT bezahlen
Den exakten Betrag an die angegebene TWINT-Nummer senden und die Zahlung in der App bestätigen.
-
Freigabe erhalten
Bestätigt der Verkäufer den Eingang, gehen die Bitcoin an Ihre Wallet. Freigaben werden standardmässig gebündelt, sofortige Freigabe kostet extra.
Kosten: Peach behält 2 Prozent des Betrags ein, der aus dem Escrow freigegeben wird, dazu kommt die Netzwerkgebühr. Der grössere Posten kann der Preis sein: Auf P2P-Marktplätzen verlangen Verkäufer oft mehr als den Börsenkurs. Einen Durchschnitt veröffentlicht Peach nicht, Sie sehen den Aufschlag erst im Angebot.
Limiten: Ohne Registrierung erlaubt Peach laut Bedingungen CHF 1’000 pro Tag, CHF 1’000 pro Monat bei Peer-to-Peer-Zahlungsmitteln und CHF 100’000 pro Jahr. Mehr als ein paar hundert Franken im Monat lassen sich auf diesem Weg also nicht bewegen.
Zwei weitere Risiken gehören zum P2P-Handel. Eine TWINT-Zahlung an eine Privatperson holen Sie nicht per Knopfdruck zurück – haben Sie an die falsche Nummer oder zu früh bezahlt, hilft nur der Streitfall bei Peach. Umgekehrt fürchten Verkäufer Geld aus fremden oder gehackten Konten, das später zurückgefordert wird; deshalb sind sie bei neuen Käufern vorsichtig. Und wer regelmässig TWINT-Zahlungen an Unbekannte schickt, muss damit rechnen, dass die eigene Bank irgendwann nachfragt.
Binance P2P hat ebenfalls eine Seite für Bitcoin gegen TWINT in Franken. Als wir sie aufriefen, war kein einziges Angebot zu sehen. Binance hat in der Schweiz keine FINMA-Bewilligung, eine Mitgliedschaft in einer Schweizer Selbstregulierungsorganisation haben wir nicht gefunden, und keine Binance-Gesellschaft steht im EU-Register für MiCA-Anbieter. Mehr dazu im Binance-Test.
| Peach Bitcoin | Binance P2P | Gutschein online | PostFinance-App | |
|---|---|---|---|---|
| Zahlung per TWINT | Filter, keine Angebote | je nach Händler | ||
| Sie bezahlen | Privatperson | Privatperson | Händler | vom Konto |
| Kosten | 2 % plus Preis des Verkäufers | Preis des Verkäufers | nicht bestätigt | 0,95 % plus 0,15 % p. a. |
| Coins | nur Bitcoin | viele | Bitcoin | 22 |
| Schweizer Aufsicht | SRO PolyReg | keine gefunden | SRO VQF (Värdex) | FINMA-Bank |
Weg 2: Bitcoin-Gutscheine, bezahlt mit TWINT
Der zweite Umweg führt über Gutscheinkarten. Die bekannteste Marke in der Schweiz ist Cryptonow, vertrieben über die Värdex Suisse AG in Baar. Physische Karten wurden an Kiosken und – laut finews ab Dezember 2023 – in 160 Coop-Filialen verkauft, mit Beträgen von CHF 50 bis 500, bezahlt an der Kasse. Wo es sie heute noch gibt, konnten wir nicht prüfen. Online verkaufen Gutschein-Händler dieselben Karten: Für den Onlineshop von k kiosk wird TWINT in der Produktbeschreibung genannt, Startselect führt TWINT unter seinen allgemeinen Zahlungsmitteln, dundle dagegen nicht. Den Kauf haben wir nicht selbst durchgespielt; die Shop-Seite von k kiosk liess sich bei unserer Prüfung wegen eines abgelaufenen Sicherheitszertifikats nicht öffnen.
Nach dem Kauf aktivieren Sie den Gutschein online mit Wallet-ID, Rubbel-PIN und einem Code per SMS. Danach liegt Bitcoin in einer Art Papier-Wallet, die Sie in eine eigene Wallet übertragen. Zurückverkaufen können Sie über Cryptonow nicht.
Was es kostet, konnten wir nicht bestätigen: Die Website von Cryptonow ist von ausserhalb der Schweiz gesperrt. Ein Test von finanzdepot.ch aus dem Jahr 2021 nannte CHF 1 Aktivierung plus 6,9 Prozent Kommission; ein Händler schreibt, die Gebühr stecke im angezeigten Kurs. Auch die Gültigkeit ist widersprüchlich angegeben – 12 Monate bei einem Händler, 10 Jahre beim anderen. Der Rechner oben zeigt für Gutscheine deshalb eine Spanne von 6 bis 7,5 Prozent. Värdex hält auf der eigenen Website fest, nicht von der FINMA beaufsichtigt zu sein; der Gutscheinbetrag ist nicht durch die Einlagensicherung gedeckt. Alle Bargeld-Wege inklusive Kiosk vergleicht der Ratgeber Bitcoin mit Bargeld kaufen.
Für Beträge über ein paar hundert Franken ist eine Börse mit Bankeinzahlung meist günstiger als P2P oder Gutschein. Konto eröffnen, KYC erledigen, per Überweisung einzahlen.
Seit 2013 am MarktGruppe registriert bei FinCEN (USA) und FCA (UK)
Was TWINT selbst plant
Im Oktober 2025 hat TWINT angekündigt, die Plattform für Anbieter regulierter digitaler Währungen öffnen zu wollen – gemeint sind Franken-Kryptowährung, deren Wert an eine Landeswährung gebunden ist, etwa 1 Token = 1 Franken. und tokenisierte Bankeinlagen – sowie für die E-ID. Zunächst ging es um Gespräche mit Behörden, Regulatoren und Marktteilnehmern, nicht um ein Produkt.
Konkreter wurde es im September 2026: SIX und TWINT schlossen sich einer Sandbox an, in der UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, die Zürcher Kantonalbank und die Waadtländer Kantonalbank seit April 2026 einen Franken-Stablecoin namens CHFD testen. Die Testphase ist befristet und läuft in einer geschützten Umgebung mit beschränkten Nutzern und Beträgen. Geprüft werden programmierbare Zahlungen, etwa um Betrug auf Online-Marktplätzen zu erschweren.
Um Bitcoin oder andere Kryptowährungen geht es dabei nicht. Ob TWINT eines Tages den Kauf von Krypto ermöglicht, ist offen; angekündigt ist es nicht. Wer heute Bitcoin will, muss einen anderen Weg nehmen.
Die schnellsten Wege in Franken – ohne TWINT
Wer TWINT vor allem wegen der Geschwindigkeit und der Franken nutzen möchte, hat gute Alternativen:
- SIC-Überweisung an eine Börse: Kraken nimmt Franken über die Bank Frick per Swiss Interbank Clearing: das Zahlungssystem für Franken-Überweisungen zwischen Schweizer und Liechtensteiner Banken, betrieben von SIX im Auftrag der Nationalbank. entgegen – ab CHF 1, kostenlos, Gutschrift am selben Tag. Wie das genau geht, erklärt der Ratgeber Krypto per Banküberweisung kaufen; mehr zum Anbieter im Kraken-Test.
- Instant-Zahlungen: Seit August 2024 müssen die grössten Schweizer Banken Franken-Zahlungen in weniger als zehn Sekunden verarbeiten können, rund um die Uhr. Die übrigen Banken ziehen schrittweise nach. Das nützt aber nur, wenn auch die Bank des Krypto-Anbieters mitmacht – ausdrücklich werben bisher wenige damit.
- Direkt aus dem Bankkonto: PostFinance verkauft 22 Kryptowährungen direkt in E-Finance und App, ab USD 50, für 0,95 Prozent. Details im Ratgeber PostFinance Krypto. Bei Yuh geht es ab CHF 10 für 1 Prozent (Yuh im Test).
- PostFinance Pay bei Bitpanda: Laut dem Zahlungsdienstleister wallee ist PostFinance Pay seit Februar 2025 bei Bitpanda als Zahlungsmittel für Franken verfügbar (Bitpanda-Test).
- Revolut: Wer ohnehin Franken auf Revolut hält, kauft Krypto direkt aus dem Guthaben. Im Standard-Plan kostet das 1,49 Prozent oder eine Mindestgebühr (Revolut-Test).
Welche dieser Varianten in der Praxis am schnellsten zum ersten Bitcoin führt, vergleicht der Ratgeber Krypto sofort kaufen. Und wer bar bezahlen will: Am SBB-Billettautomaten gibt es Bitcoin für CHF 20 bis 500, bezahlt mit Noten, PostFinance Card oder Maestro.
Vorsicht bei «Bitcoin gegen TWINT» im Chat
Wo eine legale Lücke ist, sind Betrüger nicht weit. In Telegram-Gruppen, auf Kleinanzeigen-Portalen und in Social-Media-Kommentaren bieten Unbekannte «Bitcoin sofort gegen TWINT» an – ohne Plattform, ohne Escrow. Das Muster ist fast immer gleich: Sie zahlen, die Coins kommen nie. Manchmal wird Ihr Konto auch nur als Durchlaufstation für fremdes Geld missbraucht.
- Nie per TWINT an Unbekannte zahlen, bevor die Coins in einem Escrow blockiert sind.
- Keine «Supporter» aus Chats akzeptieren, die Ihnen einen Kauf über TWINT einrichten wollen.
- Keine Wiederherstellungswörter oder Fotos davon weitergeben – niemals, an niemanden.
- Kein Geld von Fremden auf Ihr Konto annehmen, um es per TWINT weiterzuleiten.
Weitere Maschen und was im Ernstfall zu tun ist, beschreibt der Ratgeber Krypto-Betrug in der Schweiz.
Fazit: TWINT ist für Krypto der Umweg, nicht der Weg
Für kleine Beträge, ohne Konto bei einer Börse und mit etwas Geduld ist Peach Bitcoin der einzige nachvollziehbare Weg, Bitcoin mit TWINT zu bezahlen – mit 2 Prozent Gebühr, dem Aufschlag des Verkäufers und dem Risiko des Handels unter Privatpersonen. Bitcoin-Gutscheine mit TWINT sind möglich, aber die Kosten sind nicht transparent. Für alles andere ist die Überweisung in Franken günstiger, nachvollziehbarer und meist am selben Tag erledigt. Wer Bitcoin anschliessend selbst verwahren will, findet die passenden Geräte und Apps unter Krypto-Wallets in der Schweiz.