Kryptowährungen sind für Betrüger ideal: Überweisungen lassen sich nicht zurückbuchen, sie gehen in Minuten um die Welt, und hinter einer Wallet-Adresse steht kein Name. Entsprechend häufig landen Bitcoin und Stablecoins in Betrugsfällen. Beim Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) gehen jedes Jahr Zehntausende freiwillige Meldungen ein; Betrug ist laut dem Amt die dominierende Kategorie und ein «lukratives Massengeschäft».
Die gute Nachricht: Die Maschen wiederholen sich. Wer die Drehbücher kennt, steigt aus, bevor das erste Geld fliesst.
Die häufigsten Krypto-Maschen in der Schweiz
Fake-Trading-Plattformen mit «Broker» am Telefon
Das verbreitetste Muster ist der Online-Anlagebetrug. Er beginnt harmlos: mit einer Anzeige, einem Formular oder einer E-Mail. Kurz darauf ruft ein freundlicher «Broker» oder «Account Manager» an, gut vorbereitet und geduldig. Er empfiehlt einen kleinen Einstieg in Bitcoin, und zeigt Ihnen ein Konto, auf dem die Gewinne rasch wachsen.
Dann wächst der Druck. Ein «einmaliges Zeitfenster», ein Bonus bei höherer Einzahlung. Wer eine Auszahlung verlangt, soll zuerst Gebühren, Steuern oder eine «Freischaltung» bezahlen. Das BACS beschreibt das nüchtern: Zu einer Auszahlung kommt es nicht, weil das Geld nie investiert wurde. Die Gewinne auf dem Bildschirm sind Kulisse.
Ein Detail sollte Sie sofort aufhorchen lassen: die Bitte, eine Programme wie AnyDesk oder TeamViewer, mit denen eine fremde Person Ihren Bildschirm sehen und Ihren Computer steuern kann. zu installieren, «damit ich Ihnen beim Kauf helfen kann». Damit sehen die Täter Ihr E-Banking, Ihre Wallet und alles, was Sie tippen.
Gefälschte Promi-Artikel und Werbeanzeigen
Der Einstieg in die Fake-Plattform läuft häufig über gefälschte Nachrichtenartikel. Die Kantonspolizei Zürich warnte im Oktober 2024 über cybercrimepolice.ch vor E-Mails, die angeblich eine Krypto-Transaktion bestätigen. Der Link führt auf eine Seite, die wie ein bekanntes Medium aussieht, und dort werben scheinbar Prominente für eine Trading-Plattform. Wer sich über das Formular einträgt, bekommt kurz darauf den Anruf des «Brokers».
Dieselben Fälschungen tauchen als Werbung in sozialen Netzwerken und bei Suchmaschinen auf, gern mit Bildern bekannter Schweizer Persönlichkeiten oder im Look von Schweizer Zeitungen. Keine dieser Personen empfiehlt die Plattform. Das BACS rät generell, auf Investment-Werbung in sozialen Medien nicht einzugehen.
Love Scam und «Pig Butchering»
Beim Englisch für Schweineschlachten: Betrüger bauen über Wochen Vertrauen auf, oft romantisch, bevor sie das Opfer zu immer grösseren Krypto-Investments drängen. geht es zuerst gar nicht um Geld. Der Kontakt entsteht über eine Dating-App, Instagram, LinkedIn oder eine angeblich falsch adressierte WhatsApp-Nachricht. Über Wochen entsteht eine Freundschaft oder Romanze. Irgendwann erzählt das Gegenüber von seinen Erfolgen mit einer Krypto-App und bietet an, Ihnen zu helfen.
Die App ist gefälscht. Oft dürfen Sie anfangs kleine Beträge abheben, damit das Vertrauen wächst. Danach folgen grössere Einzahlungen – bis zur blockierten Auszahlung mit erfundenen «Steuern». Faustregel: Wer Sie online kennenlernt und über Geld zu reden beginnt, ist ein Risiko, egal wie herzlich die Nachrichten sind.
Phishing nach der Seed-Phrase und falsche Wallet-Apps
Ihre Die 12 oder 24 Wörter, mit denen sich eine Wallet wiederherstellen lässt. Wer sie kennt, kontrolliert die Coins. ist der Generalschlüssel zu Ihren Coins. Betrüger versuchen auf vielen Wegen, an sie heranzukommen: E-Mails oder SMS, die mit einer Sperrung drohen, falsche Support-Konten auf Telegram oder X, «Wallet-Synchronisation» auf präparierten Websites. Dazu kommen nachgebaute Wallet-Apps in App-Stores und gefälschte Browser-Erweiterungen, die echten Produkten zum Verwechseln ähneln.
Die Regel ist einfach: Die Seed-Phrase wird nie auf einer Website, in einem Formular, in einem Chat oder am Telefon eingegeben. Kein Hersteller und keine Börse fragt danach. Wer eine Hardware-Wallet nutzt, gibt die Wörter höchstens auf dem Gerät selbst ein. Mehr dazu im Ratgeber zu Krypto-Wallets in der Schweiz.
Recovery-Scam: der zweite Betrug
Wer einmal betrogen wurde, steht auf Listen. Monate später melden sich angebliche Anwälte, «Opferanwälte», Behörden oder Stellen wie Europol und Interpol und versprechen, das verlorene Geld zurückzuholen. Laut BACS verlangen sie dafür erneut Gebühren und Steuern, teils mit gefälschten amtlichen Dokumenten. Die FINMA stellt klar, dass sie nie an Prozessen oder Angeboten beteiligt ist, die angeblich finanzielle Verluste wiedergutmachen. Wer für das Zurückholen im Voraus Geld will, betrügt.
Falsche Behörden, Banken und Firmen
Betrüger geben sich gern als Amt oder bekannte Marke aus. Im Juni 2025 warnte die FINMA vor Phishing-Mails mit gefälschtem FINMA-Absender. Sie hält fest, dass sie grundsätzlich keine Privatpersonen kontaktiert und nur Adressen auf @finma.ch nutzt. Bereits 2023 warnte sie vor falschen Versicherungsvermittlern, die mit Auszügen aus dem FINMA-Register Vertrauen erschleichen und Bitcoin-Anlagen anbieten. Warnsignale laut FINMA: abweichende Registerdaten, seltsame E-Mail-Adressen, ausländische Telefonnummern, Zahlungen auf Konten im Ausland.
Am Telefon sind falsche Behörden ein Massenphänomen. Laut BACS gingen im ersten Halbjahr 2026 monatlich über 400 Meldungen zu solchen Anrufen mit Schweizer Nummern ein. Nachdem die Kennzeichnungspflicht im Juli 2026 auf Mobilnummern ausgeweitet wurde, fiel die Zahl deutlich. Dazu kommt klassisches Phishing im Namen von PostFinance, der Post oder der SBB.
Bitcoin-Automat und QR-Code-Tricks
Eine besonders perfide Variante: Ein Anrufer – angeblich Polizei, Bank oder Support – erklärt, Ihr Konto sei gefährdet. Sie sollen Bargeld abheben, an einem Bitcoin-Automaten einzahlen und die Coins an einen QR-Code senden, den er Ihnen schickt. Damit landet das Geld direkt bei den Tätern. Keine Schweizer Behörde und keine Bank verlangt je eine Zahlung über einen Bitcoin-Automaten.
Warnsignale auf einen Blick
- Garantierte oder ungewöhnlich hohe Renditen, «ohne Risiko».
- Zeitdruck, Bonus für sofortige grössere Einzahlungen.
- Kontakt kam von aussen: Anruf, Chat, Dating-App, Anzeige mit Prominenten.
- Bitte um Fernwartung, Seed-Phrase, Passwörter oder Codes aus SMS.
- Gebühren, Steuern oder Kautionen vor einer Auszahlung.
- Zahlung auf ausländische Konten, an private Wallet-Adressen oder über Bitcoin-Automaten.
- Firma ohne Handelsregistereintrag, ohne FINMA-Bewilligung und ohne SRO-Mitgliedschaft.
FINMA-Warnliste und andere Prüfwerkzeuge
Bevor Sie einer Plattform Geld anvertrauen, prüfen Sie sie an mehreren Stellen.
FINMA-Warnliste. Die Warnliste der FINMA führt Firmen und Personen, die möglicherweise ohne Bewilligung tätig sind. Sie können nach Namen suchen und nach Einträgen mit oder ohne Handelsregistereintrag filtern. Wichtig: Laut FINMA erhebt die Liste nicht den Anspruch, abschliessend und tagesaktuell zu sein. Neue Fake-Plattformen stehen oft erst Wochen später darauf.
Warnliste der Kantonspolizei Zürich. Auf cybercrimepolice.ch sammelt die Polizei verdächtige Online-Plattformen und Krypto-Adressen. Die Seite listet zudem aktuelle Fälle und bietet ein Formular, um Vorfälle zu melden.
Positivprüfung. Wichtiger als das Fehlen einer Warnung ist der Nachweis einer Aufsicht: Steht die Firma in der FINMA-Liste der bewilligten Institute oder im Verzeichnis einer Selbstregulierungsorganisation wie VQF oder SO-FIT? Wie diese Prüfung Schritt für Schritt geht und was die einzelnen Lizenzen bedeuten, erklärt unser Ratgeber zur FINMA-Regulierung von Krypto.
Domain und App. Prüfen Sie die Adresse Buchstabe für Buchstabe, rufen Sie Börsen über ein eigenes Lesezeichen auf statt über Suchanzeigen, und kontrollieren Sie im App-Store den Herausgeber. Im Handelsregister auf zefix.ch sehen Sie, ob eine angebliche Schweizer Firma überhaupt existiert.
Betrogen – was jetzt?
Scham ist der beste Freund der Betrüger. Handeln Sie schnell und in dieser Reihenfolge:
-
Zahlungen sofort stoppen
Keine weiteren Einzahlungen, auch keine «letzte Gebühr». Brechen Sie den Kontakt ab und blockieren Sie die Nummern.
-
Geräte und Konten sichern
Fernwartungs-Software deinstallieren, Bank anrufen und Karten sperren lassen, Passwörter von einem sauberen Gerät aus ändern. Ist die Seed-Phrase kompromittiert, verbleibende Coins sofort in eine neue Wallet verschieben.
-
Beweise sichern
Screenshots von Chats und Plattform, E-Mails, Website-Adressen, Telefonnummern, Wallet-Adressen, Transaktions-IDs und Bankbelege sammeln. Nichts löschen.
-
Anzeige bei der Kantonspolizei
Bei finanziellem Schaden Anzeige bei der Polizei Ihres Wohnkantons erstatten. Die Kantonspolizei Zürich empfiehlt, sich vorher telefonisch anzumelden.
-
Vorfall melden
Fall über das Meldeformular des BACS erfassen, verdächtige Mails an cybercrimepolice.ch weiterleiten und die Börse informieren, über die Sie Coins gesendet haben.
-
Vor Rückhol-Angeboten hüten
Danach arbeiten Sie nur noch mit der Polizei. Wer Ihnen gegen Vorschuss Hilfe beim Zurückholen anbietet, ist der nächste Betrüger.
Realistisch bleiben: Das BACS schreibt, dass das investierte Geld meist verloren ist, auch wenn internationale Zusammenarbeit manchmal Ergebnisse bringt. Am ehesten lässt sich noch etwas retten, wenn Coins nach wenigen Stunden noch bei einer regulierten Börse liegen. Das Meldeformular des BACS finden Sie unter report.ncsc.admin.ch.
Seed-Phrase und Konten absichern
Die meisten Verluste lassen sich mit wenigen Gewohnheiten verhindern:
- Seed-Phrase nur auf Papier oder Metall notieren – nie fotografieren, nie in Cloud, E-Mail oder Passwort-Manager speichern.
- Für grössere Beträge eine Hardware-Wallet nutzen und Empfangsadressen auf dem Display des Geräts prüfen.
- Zwei-Faktor-Login mit einer Authenticator-App statt SMS aktivieren.
- Bei der Börse eine Whitelist für Auszahlungsadressen einrichten, falls angeboten.
- Für Krypto-Konten eine separate E-Mail-Adresse verwenden.
- Börsen und Wallets nur über eigene Lesezeichen oder die offizielle App öffnen.
- Nie Fernwartungs-Software auf Wunsch eines Anrufers installieren.
- Vor grossen Überweisungen einen kleinen Testbetrag senden.
Eine Kleines Gerät, das die privaten Schlüssel offline speichert; Transaktionen werden auf dem Gerät selbst bestätigt. macht Phishing deutlich schwerer, weil jede Transaktion auf dem Gerät bestätigt werden muss. Die Schweizer BitBox und die Ledger-Geräte vergleichen wir in eigenen Testberichten.
Seriös kaufen und verkaufen
Der sicherste Schutz vor Fake-Plattformen ist, gar nicht erst nach Angeboten zu suchen, die Sie anrufen. Kaufen Sie über Anbieter, deren Status Sie selbst überprüft haben – etwa eine Bank wie Swissquote oder PostFinance oder eine App wie Relai, die der SRO VQF angeschlossen ist. Auch beim Verkauf lauern Tricks, etwa angebliche Käufer mit «Treuhand-Lösungen». Wie Sie Krypto sauber in Franken zurücktauschen, zeigt der Ratgeber Krypto auszahlen in der Schweiz.
Lieber über einen geprüften Weg einsteigen statt über eine Anzeige? Eröffnen Sie ein Konto und starten Sie mit einem kleinen Betrag.
Seit 2013 am MarktGruppe registriert bei FinCEN (USA) und FCA (UK)